Dienstag, März 27, 2007

USA

USA


Ende der Fußball-WM in Deutschland.
Mittwoch 05. Juli bis Montag 10. Juli 2006
Bei der Faehrueberfahrt treffe ich schon wieder auf deutsche Radfahrer. Ein Paerchen aus einem kleinen Ort bei Muenchen, Markus und Marlies Strobl will drei Tage durch den Olympic-Park im Staate Washington radeln. Sie bieten an, ein Bild von mir aufzunehmen und es an meine Frau zu schicken. Wir fachsimpeln noch ein bisschen, trennen uns dann aber in Port Angeles, weil sie erst noch in die Stadt muessen und ich gleich weiter will.
Entlang und durch den Regenwald fahr ich an der Westkueste. Heute regnet es noch nicht, aber am zweiten Tag ziehen frueh einige Regenwolken vom Pazifik heran. Danach scheint die Sonne und an den naechsten zwei Tagen "runkst der Planet", was das Zeug haelt. Ich messe 36,8°C und trage am Samstag Handschuhe und ein langaermeliges Trikot, um mir die Arme nicht zu verbrennen. An diesen Tagen begleitet micht meist ein leichter Rueckenwind und ich lege in drei Tagen 480 km zurueck. Am Samstag erlebe ich in einem Restaurant beim Mittagessen die Originaluebertragung vom kleinen WM-Finale Deutschland - Portugal und am Sonntag sehe ich um die Mittagszeit in Portland das WM-Endspiel. Ueber die Tour de France bin ich durch die Zeitung gut informiert und weiss, wer z.Zt. "Gelb" traegt. Also die Amerikaner haben es doch drauf, mehr als nur ihre populaeren Sportarten den Zuschauern zu bieten. Danke. Am Sonntag waren in Portland mehr als 8.000 Fussball-(hier: Soccer-)Fans (zum grossen Teil hier lebende Italiener) auf dem Pioneer Courthouse Square vor einem Riesen TV-Schirm, um den Sieg Italiens zu feiern.
Nach zweitaegiger guter Betreuung bei Barbara und Bonnie in Portland geht es morgen, am Dienstag, weiter Richtung San Franzisco, von wo ich mich wieder melden werde.Also liebe Freunde, Verwandte, Bekannte, Interessierte, es waere schon schoen, auch mal einen Kommentar von euch zu lesen (oder eine e-mail zu erhalten). Er (sie) muss sich ja nicht unbedingt auf meine Tour beziehen. Aber eine Verbindung zur Heimat tut doch ganz gut. Für die, die mir schon geschrieben haben - Danke.


Küstenstraße. Begegnungen. Redwoods. San Franzisco.
Dienstag 11. Juli 2006 bis Donnerstag 20. Juli 2006
Es laeuft nach den zwei Tagen Radfahrabstinenz wieder richtig gut und ich lege bei guten Bedingungen meine bisher laengste Tagesstrecke (182 km) zurueck. In Newport am Pazifik werde ich von den Nachbarn unserer Verwandten (die im Urlaub sind) fuer eine Nacht aufgenommen und lerne hier auch mal das "andere Amerika" kennen. Eine politisch engagierte Frau (55), Lehrerin fuer behinderte Kinder, die sich an Friedens- und Anti-Bush-Aktionen beteiligt, die Petitionen verfasst und den Irakkrieg verurteilt. Sie "sieht politisch durch", was den wenigsten Amerikanern eigen ist. Sie ist auch erfreut, jemand aus dem ehemaligen Ostblock bzw. anderen Deutschland kennenzulernen und zieht ihre zwei Soehne hinzu, damit ich ihnen etwas ueber unsere Verhaeltnisse vor und nach der Wende erzaehle (ja, sie kannte sogar die DDR). Es war erfrischend, sich mit ihr zu unterhalten.

Der naechste Tag ist von anhaltendem Nieseldauerregen gekennzeichnet, der mich spaet losfahren laesst. Die Regenkleidung muss ich den ganzen Tag tragen und abends auf dem Campground treffe ich einen Hiker (Wanderer; der an der Kueste entlangwandert) und einen Biker, die beide ebenso vom schlechten Wetter betroffen waren, wie ich.
Die Campground-Gebuehr ist fuer Hiker/Biker auf den amerikanischen staatlichen Statepark-Campingplaetzen recht guenstig und betraegt 3 $ pro Nacht und Zelt (meist einschliesslich warmer Dusche) (in Kanada hatte ich - wenn es nicht kostenfrei war - bis 22 CAD bezahlt; 1 € = 1,39 CAD).

Wieder Begegnungen:
Eine Truppe von 20 Radfahrern aus Texas (ich treffe am Abend nur auf die kleine Nachhut von 3 Fahrern, 2 Betreuern und zwei Betreuerautos, als sie eine Pause machen und sich am Strassenrand etwas Kraftnahrung einverleiben) fahren mit Rennraedern von Texas nach Alaska - also eine USA-Durchquerung von Sued nach Nord. Als ich sie mein Rad hochheben lasse, meinen sie, darauf wuerden sie verzichten, mit dem Gepaeck solch eine Radtour zu machen.

Gepaeck 33 kg (Zelt, Schlafsack, Schlafmatte, Zeltunterlegplane, div. Rad-, Regen- und Reise-Kleidung für warme und kalte Tage, Werkzeug und Ersatzteile, Kocher, Lebensmittel, Waschzeug, Medizinartikel, Karten- und anderes Tourmaterial)
Wasser je nach Bedarf (bis jetzt 2,5 l, kann in den heissen Gebieten bis 5 l steigen)

Fahrrad 16 kgAm Freitag bin ich auf einem privaten Zeltplatz (auch nur 5 $), werde dort von einer Familie gleich gut eingewiesen und bekomme ein kaltes (!) Bier angeboten, was ich nicht ablehne. Da selbst eifriger Radfahrer, weiss der Mann, wonach einem nach so einer anstrengenden Fahrt geluestet. Die Kinder helfen mir gleich beim Zeltaufbau.
Solche Begegnungen sind aber eher selten, da die Familien sich auf ihren Stellplaetzen meist in ihre Zelte oder die fahrbaren Wohnungen zurueckziehen.

Am naechsten Tag treffe ich Rik, der sich mit einem Mountain-Bike und 55 kg (!) Gepaeck, davon ein Teil auf dem Ruecken, ebenso wie ich eine nicht enden wollende Steigung des Redwood-Highway hinaufquaelt. Wir bleiben diesen Tag zusammen, trennen uns dann aber, da ich noch ein Stueck weiterfahren moechte. Die Fahrt durch die Redwoods, die mir mehr als zwei Tage Begleiter sind, ist schon ein beeindruckendes Erlebnis. Die hohen - ja man moechte sagen - stolzen Baeume, die bis zu hundert Meter hoch werden koennen, sind mehrere hundert Jahren alt. Ich fand auf der "Avenue of the Giants" (Strasse der Giganten - und hier uebertreiben die Amerikaner mal ausnahmsweise nicht) - einer Variante des ohnehin schon grossartigen Redwood-Highways - einen Baum mit 22 m Umfang (7 m Durchmesser), sicher nicht der dickste.

Welche interessante Begegnungen hatte ich noch ?
- eine Schueler-/Studentengruppe von 20 Radfahrern (alle mit Gepaeck und guten Renn- und Sportraedern, sie wollen auch nach S.F.) ueberholt mich mit einer flotten 25 (25 km/h) und ich kann ihnen nur kurzzeitig folgen, ehe ich wieder mit 18-20 km/h "dahinduemple".
- einen ausgewanderten Schweizer, der in Suedkalifornien lebt und mit seinem Liegerad im Auto mal in diese, mal in jene Gegend der USA faehrt und dort ausgedehnte Radtouren unternnimmt.
- noch einen (nicht ausgewanderten) Schweizer, der nach Mexiko will und auch von Anchorage kommt
- ein franzoesisches Lehrerehepaar, die in Chikago Deutsch und Franzoesisch unterrichten und fast jedes Jahr im Sommer, wenn es in C. zu warm ist, an der Kueste entlangradeln.
- Radelnde Mutter und Tochter, die mit ihren Raedern an mir vorbeiziehen, aber denen ich zu Mittag wieder begegne.

Amerika ist auch nicht radfahrerunfreundlich.
Verkehrsschilder weisen die Autofahrer immer wieder darauf hin, auf die Radfahrer zu achten (z.B.wenn der Randstreifen - shoulder - zu schmal ist oder bei anderen vom Ueblichen abweichenden Verkehrs- oder Strassenbedingungen).
Am Montag rauben mir zwei Anstiege hintereinander von 0 auf 500 m und 0 auf 300 m den letzten Nerv. Die sehr kurvenreichen Steigungen hoeren einfach nicht auf. Hinter der naechsten Kurve geht es noch mal hoch und noch mal. Jede Steigung hat ein Ende und etwas entschaedigt dann die lange kurvenreiche Abfahrt, die nur hin und wieder den Einsatz der (guten) Bremsen erforderlich macht.....
Ein Lohn fuer diese zwei muehevollen Anstiege ist jetzt die Fahrt auf dem Highway 1 (der Highway 101, den ich seit Port Angeles nach der Faehrueberfahrt von Kanada - siehe dort - befahren hatte, geht zwar weiter nach S.F. ist auch etwas kuerzer, aber teilweise ein fuer Radfahrer verbotener Freeway) - dem Shoreline Highway, der landschaftlich wunderschönen Kuestenstrasse.
Mehrere Tage fahre ich mehr oder weniger nahe an der Kueste entlang, sehe und hoere neben oder tief unter mir die Wellen heranrollen, beobachte ihr Spiel mit den unzaehligen grossen Felsen, die wie von "Gottes Hand" dort verstreut hingesetzt wurden. Ein immer wieder wundervoller, ja auch lieblicher oder auch wilder Anblick. Das ist das Faszinierende an der Kuestenstrasse. Dabei kann ich froh sein, dass ich nur an einem Tag (in einem nicht so aufregenden Stueck) frueh Nebel hatte. Der kalte Labradorstrom, der bis hierhin reicht und die warme Luft sind sonst die Ursachen fuer diese Nebel. Und 1998 bei meiner Radtour konnte ich wegen des Nebels oft nichts von der Kueste sehen.

Der Tag, an dem in San Franzisko eintreffe, beschert mir noch zwei besondere Erlebnisse.
Am fruehen Morgen stolziert ganz unbekuemmert eine Rehfamilie ueber den Zeltplatz.
Am Abend erwischt mich eine Highway-Patrol auf dem Freeway (das entspricht unserer Autobahn) und ich muss sofort runter, d.h. aber in diesem Fall nicht etwa den leichten Weg zurück sondern auf einem steilen Schotterweg (Trail = Wanderweg) 200 Hm den Berg hinauf (Schikane ?) und an anderer Stelle wieder hinunter, um dann auf einer normalen Strasse die letzten 10 km bis S.F. zu fahren.

Bei Michael, einem Freund meines Sohnes, den ich schon von Radtouren in Deutschland und von unserer Autotour 2002 in den USA kannte, verbringe ich jetzt 2 Tage (am Computer, mit Kleidung waschen, Einkaufen fuer die weitere Tour, Rad durchsehen und etwas reparieren).
Noch was zu Michael. Er kam vor etwa 13 Jahren in die USA, arbeitete als Fahrradkurier in San Franzisko (und lernte dabei die Stadt kennen), fuhr als Chaffeur bei einem serioesen Unternehmen eine streched Limosine fuer Prominente, leitete
- nach einem Studium und harter Arbeit - ein kleines Elektrizitätskraftwerk und arbeitet heute als Ingenieur (Spezialist fuer Industrieroboter in der pharmazeutischen Industrie - Ersatz von Tierversuchen) an der Uni in S.F. (klingt wie "vom Tellerwaescher zum Millionaer", was er allerdings nicht ist).

Irakkriegsgegener. Nebelfreie Westküste. Zoo in San Diego.

Freitag 21. Juli bis Sonntag 30. Juli
Die letzten USA-Tage schnell zusammengefasst.
Michael erspart mir eine unschoene Umleitung, weil - wie jedes Jahr durch Regen - ein Teil der Nationalstrasse 1 zerstoert und damit gesperrt ist. Er faehrt mich mit dem Auto aus San Franzisko hinaus. So entgehe ich auch dem Wochenendverkehr und beginne gleich mit einer tollen Abfahrt. Ich fahr bis Seaside kann in dieser Stadt aber keine Campinguebernachtung finden, Hotels sind nicht billig (225,- $ pro Nacht ist mit doch ein bisschen zu viel) und so entschliesse ich mich, das Zelt an einem "geeigneten Platz" hinter einem Autohaendler aufzubauen, unweit vom Strand, aber fast mitten in der Stadt, nur Jogger laufen ab und zu vorbei, aber das Zelt ist - in der Daemmerung - kaum zu sehen. In Monterey, dem Ort vorher, ist am Wochenende ein Motorrad Grand Prix, die Hotels sind ausgebucht und die Strasse gehört den Motorradfahrern, die mit voll aufgedrehten Maschinen an einem vorbeiziehen und das immer in Rudeln - es nervt. Das gleiche am Montag frueh als alle wieder nach Hause droehnen.
Am Montag treffe ich wieder mal auf "das andere Amerika". In einem grossen Privatgrundstueck befindet sich ein Camp von Irak-Kriegsgegnern, die durch sinnvolle Plakate und andere Darstellungen darauf aufmerksam machen, dass Frieden besser ist, als USA-Soldaten im Irak sterben zu lassen.
Tagelang fahre ich an der schoenen, kurvenreichen und bergigen Westkueste unmittelbar am Meer entlang. Die Schoenheit wiegt die Anstrengungen (und die Notwendigkeit sehr auf den Verkehr zu achten !) auf. See-Elefanten sind ein Highlight dieser Tage. Dabei treffe ich einen Radfahrer, Magnus (33), aus Vancouver, der nach Mexiko will. Wir einigen uns, die naechsten Tage zusammen zu fahren (dabei akzeptiert er, dass ich am Berg etwas langsamer bin als er). Doch wir verlieren uns an diesem Tag wieder und erst am naechsten Abend finden wir uns an einem herrlichen Zeltplatz direkt am Meer erneut. Dort campen auch ein Vater mit seinem Sohn (13 !), auch aus Vancouver, die ebenfalls mit dem Rad nach Mexiko unterwegs sind. Sie schlafen heute mal unter freiem Himmel (es regnet ja nicht - "It never rains in south of California"). Find ich einfach toll.
Es ist fast ein Witz, mit Magnus verliere ich mich bis einschliesslich Mexiko noch dreimal aber immer finden wir uns auf der Strasse wieder. Unsere Freude ist jedesmal beiderseits gross. Er wollte eigentlich schon in Tijuana seine Tour beenden, doch - scheinbar bin ich ihm ein guter Partner - faehrt er noch weiter mit, vielleicht bis La Paz (Baja California), wer weiss. Es ist angenehm, solch einen Partner auf der Tour zu haben.
In die Tage in Suedkalifornien faellt auch der bisher heisseste Tag mit 42,1°C.
In San Diego hatten wir uns ein Hotelzimmer genommen und gemeinsam einen freien Tag mit Raddurchsicht und Radreparatur verbracht. Am Nachmittag besichtigen wir im Hafen einen Flugzeugtraeger und alte Segelschiffe, sowie ein russiches (!) U-Boot. Alles beeindruckend und beklemmend, wenn ich an den Flugzeugtraeger denke. Das schoenste Erlebnis aber ist am Sonntag (30.07.) der Besuch des weltberuehmten Zoos von San Diego mit seiner Koala- und Pantabaerenzucht. Die Anlage des Zoo ist einmalig. Eingebettet in Baume, Straeucher, Schilfpflanzen u.a. fuehlt man sich in den Urwald versetzt. Auch Magnus ist begeister, obwohl ich ihn erst ueberreden musste mitzugehen. Doch wieder verlieren wir uns und treffen uns zwei Tage spaeter in Mexiko wieder. Dazwischen liegt der Verlust meiner ec-Karte. Ich war verzweifelt, als die Karte nicht wieder aus dem Automaten kam und wirklich einige Stunden ratlos, was ich tun sollte. Jetzt hab ich mich damit abgefunden und muss auf Kreditkartenbasis leben (bzw. Geld abheben, was aber in Mittel- und Suedamerika mit einigem Aufwand verbunden sein soll).

Statistik :
2.860 km (+ 17 km), 11.576 Hm, 156:48 Std. (216:40 Std.)20 Tage, 5 Ruhetage142 km/Tag, 18,2 km /Std., 570 Hm/Tag, 405 Hm/100 km



Tourverlauf :
Port Angeles (Norden des Staates Washinton) - Aberdeen (101) - Raymond (101) - Astoria (Flussmuendung des Columbiariver in den Pacific) - Portland (OR) (30) (am Columbiariver entlang) - Newport (18, 101) - immer die 101 (Kuestenstrasse, Shoreline Higway und Redwood Highway) an der Kueste entlang bis Legget (CF) - San Fracisco (1) - aus San Francisco raus mit dem Auto bis Redwood City (kurz vor Halfmoon Bay) - Santa Cruz - Monterey - Pismo Beach (alles Hwy 1) - Orcutt - Gevinta - St. Barbara - Santa Monica (1) - (Inglewood bis Long Beach - Stadtteile von L.A. - mit dem Stadtbus) - Oceanside - San Diego - Grenze nach Mexiko (auf gewiesenem Spezialweg, z.T. Freeway notwendig).

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