Samstag, März 24, 2007

Bilder (Mexiko)

Bilder (Mexiko)
Mexiko

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Freitag, März 23, 2007

Mittelamerika


Mittelamerika
 

Samstag 16.September bis Sonntag 15.Oktober 2006
 
Guatemala
Atitlán - der schönste See der Welt. Regenfahrten
 
Guatemala haelt gleich zwei Ueberraschungen fuer mich bereit: Die erste: Am Montag musste ich ueber einen 3.670 m hohen Pass klettern. Ein Test fuer die von mir gefuerchteten Berge in Peru. Und die zweite, ich kam gut darueber hinweg. Dann ging es bei Kaelte und Regen hinunter (ich zog meine regendichte Kleidung und warme Handschuhe an), wobei ich Autoschlangen ueberholte, die wegen Erdrutsch nur mit Handregelung weitergeleitet wurden. Der Tag endete mit einer rasanten Abfahrt mit 1.000 m Hohenunterschied nach Panajachel am wunderbaren Atitlán-See, der von einigen als der schoenste See der Welt bezeichnet wird. Ich kenne zwar nicht alle Seen der Welt, aber als ich am naechsten Tag 800 m wieder hinauf musste und dann zwei Stunden in dieser Hoehe fuhr, den See mit seinen drei Vulkanen und den malerischen Ortschaften nach jeder Kurve aus einer anderen Perspektive sah, dachte ich mir, diese Einschaetzung koennte schon stimmen und auch die Anstrengungen des Anstiegs waren vergessen. Dazu kam dann noch eine 30 km lange Strecke im Tal des Rio Madre Vieja, wo es immer nur leicht bergab ging. Einer der beeindruckendsten Fahrtage meiner Tour.
Vor Verlassen Guatemalas besuche ich noch einen Safaripark hinter Escuintla und kann ein paar schoene Tieraufnahmen machen.
Am letzten Tag beginnt eine Pannenserie, die sich noch einige Zeit fortsetzen soll. Bei stroemendem Gewitterregen stelle ich mich unter und als ich losfahren will, habe ich hinten keine Luft mehr auf dem Reifen. Das Reifenwechseln findet unter Anteilnahme dort ebenfalls wartender Jugendlicher und Erwachsener statt. 

El Salvador
Ueberraschungen auch hier. Muellerfassung.

Die erste Uebernachtung an der Grenze (La Hachadura) ist die primitivste, die ich bisher hatte.
Ich kam vollkommen nass dort an und das Geld hätten sie fast einem nackten Mann unter der Dusche aus der Tasche gezogen. In fast allen Hotels in Mittelamerika wird sofort - noch vor Betreten des Zimmers - nach dem Geld verlangt, ohne Rücksicht darauf, in welchem Zustand man ist (nass, verschwitzt, vollkommen "fertig" spielt keine Rolle; man moechte sich wenigstens erst mal reinigen und umziehen). Vielleicht haben sie schlechte Erfahrungen ? Hier sah es mir allerdings so aus, als waeren sie wirklich auf meine 10 $ angewiesen, denn als ich nach dem Duschen bezahlte und dann gleich einkaufen und essen ging, machte sich auch die Vermieterin (offensichtlich mit meinen 10 $) gleich auf den Weg. Die Armut ist allgegenwärtig, wenn auch nicht immer unmittelbar zu sehen.

Am naechsten Morgen ist vom am Vortag gewechselten Schlauch die Luft wieder runter. Also heisst es vor dem Start gleich noch mal einen anderen Schlauch aufziehen. Und der erste Schlauch stellt sich gleich beim Aufpumpen wieder als undicht heraus. Ich hab inzwischen 4 Schläuche aus Deutschland, deren Ventil an der einvulkanisierten Stelle im Schlauch undicht d.h. eingerissen ist (schlechte Produktionstechnologie). Diese Methode der Ventileinvulkanisierung ist einfach Mist. Auch wenn die Schläuche von einer renommierten Firma ("Continental") sind, spricht das noch lange nicht für gute Qualität.

Auch in El Salvador gibt es 'ne Ueberraschung. Im selben Komplex, wo ich in La Libertad in einem grosszuegig eingerichtetem Zimmer schlafe (zum selben Preis - 10 $ - wie an der Grenze fuer das "Loch"), befindet sich direkt darunter das modernste Computer-Cafe, was mir bisher auf meiner Tour begegnet ist.
Und noch eine Ueberraschung: Sie haben es zwar noch nicht absolut gepackt, aber der Staat bemueht sich sehr, das Muellproblem in den Griff zu bekommen. Auch das Umweltbewusstsein ist ein hoeheres als in Mexiko und Guatemala. Ich sah an einem Tag in mehreren Doerfern, wie die Einwohner den Plasteabfall vom Straßenrand aufsammelten. Ich sah Plasterfassungsstellen mit riesigen Saecken Abfall. Ich sah Muellfahrzeuge ueberall im Einsatz. Solche koordinierten Aktionen sollten Vorbild für andere mittelamerikanische Länder sein.

Honduras
Pannen. Erholung.
 
Die Pannenserie setzt sich fort.
Obwohl ich in Honduras nur 133 km fahre, halte ich mich drei Tage dort auf. Panne kurz nach Grenzuebergang und kein Schlauch (!) der i.O. ist oder sich flicken laesst (4 kaputte Schläuche s.o.). Ein Auto nimmt mich 25 km mit und setzt mich vor einem Hotel in San Lorenzo ab. Ich hab nur 10 $ umgetauscht und morgen ist Sonntag. Wieder steht mir das "Glueck" zur Seite. Uebernachtung kann ich nach Diskussion in $ bezahlen und ein Fahrradgeschaeft, das am Sonntag geoeffnet hat, hat Schlaeuche fuer mich, hergestellt in Thailand, mit fest eingeschraubtem Ventilstutzen. Ich kaufe zwei Stueck und werde damit reichen. So komme ich an dem Tag verspaetet weg und bin dazu noch moralisch etwas am Boden.Eigentlich wollte ich nur Mittag in dem Hotelrestaurant ausserhalb von Choluteca essen. Es ist warm, ein herrliches Panorama, ein swimming pool, gutes Essen........ Ich nehme hier ein Zimmer (fuer 18 $), erhole mich am Nachmittag im und am Pool, geniesse die ausgezeichnete Kueche.

Nicaragua
Geld am Automaten. Deutsche Botschaft.
Die ersten 20 km nach der Grenze sind vom Strassenbelag eine Katastrophe, dann wird es etwas besser, aber Nicaragua hat weitaus die schlechtesten Strassen Mittalamerikas. Und es kommt dann auch so, wie es kommen musste. Ich habe gleich am ersten Tag eine Panne und kann meinen zwei Tage vorher in der Nacht muehevoll reparierten Mantel nun endgueltig entsorgen, hab nun aber keinen Ersatzmantel mehr für die Bereifung. Es ist wieder sehr warm und ich hangle mich - aehnlich wie in Mexiko - von Cola-Zapfstelle zu Cola-Zapfstelle, jedesmal mindestens eine Flasche Cola trinkend (sie ist kalt, man weiss, wie sie schmeckt und süss - das wirkt wie Traubenzucker). In Managua, der Hauptstadt von Nicaragua, findet man unerwartet schöne, saubere Restaurants an Tankstellen ("On the way") mit ausgezeichneten Verpflegungsmöglichkeiten und man kann dort sogar Geld aus einem Bankautomaten ziehen (24 Stunden am Tag).
Und noch eine Geschichte, fast ein Witz. Ich hatte hier in Managua einen Freund (Arzt) arbeitend vermutet, kannte aber keine Einzelheiten ueber seine Taetigkeit, also ging ich (fuhr ich mit dem Taxi) zur deutschen Botschaft. Doch Reiko, so sein Name, war dort nicht bekannt. Zwei Monate spaeter erhielt ich von ihm eine e-mail. Er ist in Namibia (!!!).
Die Fahrt von Managua zur Grenze nach Costa Rica ist richtig beruhigend. Leicht wellige gruene Huegel, saftige Wiesen. Wenn dahinter keine majestaetischen Vulkane das Gesicht der sonst lieblichen Landschaft mitbestimmen wuerden, glaubte man sich nach Mecklenburg versetzt (!). Es rollt einfach phantastisch.

Costa Rica
Fahrradmechaniker - Landesmeister im Radsport. "Vergewaltigung"
 
Costa Rica, auch die Schweiz Mittelamerikas genannt, ist eine andere Welt nach den o.g. Staaten. Sauber, kaum Abfall und Muell, ordentlich. Auch die Menschen haben hier ein anderes Umweltbewusstsein. Warenangebot und Service typisch "westlich". Kreditkarte ueberall einsetzbar usw. Für Costa Rica hab ich drei Tage Erholung eingeplant. Ich finde in Jaco (ein exquisites Seebad am Pazifik) einen schönen, nicht allzu teuren Bungalow und das wichtigste fuer mich: hier ist nicht nur ein Fahrradgeschaeft, sondern auch ein ausgezeichneter Fahrradmechaniker (war mehrfacher Landesmeister von Costa Rica im Straßenfahren und internationaler Meister in anderen mittelamerikanischen Staaten, kennt Jan Ullrich und Taeve Schur).
Doch auf der Fahrt nach Jaco war
der bisherige Pannenhoehepunkt. Frueh hinten eine ganz normale Reifenpanne, am Nachmittag (im stroemenden Regen) das gleiche vorn. 3 km laufen und .... da war eine kleine Fahrradbude, wo ich reparieren und dann die restlichen 5 km fahren konnte.
Als ich dann in Jaco ein Fahrradgeschäft aufsuche, komme ich an o.g. Mechaniker und so entschliesse ich mich, schon hier mein Rad umzuruesten (Austausch der gesamten Antriebsgruppe) und fuer die Andenberge fit zu machen. Was mir da entging: mein erster Badetag, ich war noch nicht mal am Strand, aber ich hab ja noch zwei Tage). Nur 28er Bereifung hat auch er nicht parat. Am Montag könnte ich welche bekommen. Er fährt am Wochenende nach San Jose, der Hauptstadt Costa Ricas, zu einem Radsportwettbewerb und könnte mir welche mitbringen. Doch da will ich schon in Panama sein.
Die restlichen zwei Tage in Jaco hab ich genossen, war schwimmen und hab viel geschlafen. Musste am ersten Abend auf der Strasse allerdings auch eine Attacke von 3 einschlaegigen "Damen" abwehren, die mich quasi vergewaltigen wollten. Sie gingen mir ans "Gemaecht" aber wollten sicher ueber diesen Umweg an mein Geld, doch das hielt ich ganz fest.
Ich dachte nun sei technisch alles in Ordnung und in Panama muss ich nur noch die Bereifung kaufen..... weit gefehlt (davon unter Panama). Auf einer Schotterstrecke (50 km in 4 Stunden !) - soll in den naechsten 2 Jahren saniert d.h. asphaltiert werden - scherte es wieder mal eine Gepaecktraegerschraube ab.
Ich habe mich in Mittelamerika auf das Uebernachten in (billigen Hotels) eingestellt, das sind aber nicht immer auch miese Hotels. Die Kosten betragen in etwa 10 $ pro Nacht. Ich tue dies einmal aus Sicherheitsgruenden andererseits aus meteorologischen Gruenden. Abends oder nachts regnet es oft, wenn man nasse Sachen hat, kann man die im Zelt auch nicht trocknen, wobei es im Zelt ausserdem zu warm ist und man lieber draussen schlafen moechte. Es kommt noch hinzu, dass es in Mittelamerika um 18 Uhr finster ist, so dass man nicht mehr fahren kann. Also heisst es, bis zum Einbruch der Dunkelheit auf dem Rad sitzen. Wenn man aber noch ein Zelt aufstellen will, muesste man sich schon etwa 16/17 Uhr um einen Platz kuemmern. Es gibt keine offiziellen Zeltplaetze, so das man nur "wild" zelten kann, wobei es auch schwierig ist, einen geeigneten Platz zu finden und dann muesste man auch noch im Dunkeln kochen. Es ist auch angenehm, nach der Anstrengung des Tages zu duschen. Eine fast familiaere Unterkunft hatte ich unmittelbar vor der Grenze zu Panama. Ich kam vollkommen nass an. Es hatte auf der Schotterstrecke und auch danach noch geregnet, bekam auf Verlangen gleich ein Bier und ungefragt sogar ein Abendbrot (natuerlich gegen Bezahlung). 

Panama
Warten auf Bereifung. Panamakanal. Südamerikanische Taenze. Flug nach Kolumbien
 
Die ersten 100 km habe ich eine sehr gute Strasse, spaeter wird sie etwas schlechter. Die Betonplatten haben sich gehoben und teilweise verschoben, so dass man neben dem staendigen Ruetteln hoellisch aufpassen muss, nicht mal in ein tiefes scharfkantig abgebrochenes Loch zu kommen. Doch auch diese Strecke ueberstehe ich unbeschadet (bis auf eine erneute Reifenpanne), um dann wieder vor Panama-City auf guter Strasse zu fahren.
Allerdings haelt die Stadt gleich eingangs wieder eine Ueberraschung fuer mich bereit. Ueber die Puente de la Americana (Bruecke ueber den Panamakanal auf der Pazifikseite) duerfen nur Autos fahren. Eine andere Strassenverbindung "zu Suedamerika" gibt es nicht. Wie hinueber kommen ? Doch die Polizei - dein Freund und Helfer - bestellt mir eine Polizeifahrzeug, das mich ueber die Bruecke faehrt. Ist das kein Service ?
In Balboa/Panama-City finde ich schnell ein preisguenstiges Hotel mit einem entsprechend grossen Zimmer, wo ich Rad und Taschen fuer meinen Flug nach Kolumbien verpacken kann. Doch bis es soweit ist, gilt es in Panama noch ein anderes Handicap zu überwinden: Es gibt hier nichts fuer 28er Raeder (entgegen einer anderslautender Information, die mir vorlag), d.h. insbesondere keine Reifen. Und in Kolumbien ??? Ich war etwas geschockt. ups hilft. Fahrrad-Tietz schickt mir 3 passende Fahrraddecken, die in drei Tagen hier sein sollen. Dafuer kann ich mir jetzt in Ruhe Panama-City mit seinen Sehenswuerdigkeiten, das Kanalmuseum und Umgebung ansehen, eine Kanaltour unternehmen. Das sind schon Dinge, die man sonst nicht wieder sieht.
In der Naehe meines Hotels finde ich ein schoenes internet-Cafe und dort einen sehr netten Mitarbeiter, dem ich meine Unfaehigkeit, Bilder von meiner Kamera einzugeben, gestehe. Er nimmt sich meiner an und so habe ich es nach 2 "Sitzungen" mit ihm geschnallt. Liebe Leute, von jetzt ab, kann ich meine Berichte auch mit Fotos versehen und damit etwas anschaulicher gestalten. Nachlieferung Alaska und Kanada erfolgt dann von Deutschland aus, weil die Bilder nur noch auf CD's und diese schon zu Hause sind.
Abends bin ich oft "ausser Haus" und nehme die Atmosphaere dieser Stadt in mich auf. Unweit von meinem Hotel ist ein grosser Parkplatz, wo dreimal in der Woche eine Tanzgruppe begleitet von Panfloetenmusik "trainiert". Da treffen sich die ganzen Familien mit Kindern. Ich hoere oft ihrer Musik zu, schau mir ihre Taenze an und komme mit ihnen ins Gespraech.
Panama ist - ebenso wie Costa Rica - ein sehr schoenes Land. Hier kommt noch dazu, dass durch die Banken, die in Panama-City - in grosser Menge angesiedelt sind, viel Geld durch das Land fliesst und zahlungskraeftigen Touristen auch etwas geboten wird. Es waere ein Land, wo man seinen Lebensabend verbringen koennte - wenn man das noetige Kleingeld haette. Doch auch Armut gibt es hier in der City. Der Regierungspalast ist unmittelbar von einem Armenviertel umgeben. Ob das den Regierungschef bei seinen Entscheidungen beeinflusst ...... ?Trotz des Aufenthaltes hier, bin ich noch im Zeitlimit. Ach so, warum ich nach Kolumbien fliege ? Es gibt keine Land(strassen)verbindung. Es gibt keine offizielle Faehrverbindung (wurde vor einige Jahren eingestellt). Ob es politische oder wirtschaftliche Gruende hat, ich weiss es nicht. Vielleicht spielt auch der Drogenhandel, der damit erleichtert wuerde, eine Rolle.
Meine Reifenlieferung erfolgt zwar nach drei Tagen am Freitag abend, muss aber noch durch den Zoll und da es Samstag ist, wird das erst am Montag, so die Auskunft bei ups. Ich bettle, ich flehe, ich schildere meine Situation. Es hilft. Ein Auto faehrt zum Flugplatz und holt u.a. meine Reifen dort ab. Schnell den Flug fuer Sonntag bestaetigen lassen, im Hotel den Rest des Gepaecks flugfaehig verpacken. Großes Taxi für Sonntag frueh bestellen. Ich bin ge-/erloest, dass nun auch diese Huerde genommen ist.
Statistik Mittelamerika:Guatemala: 520 kmEl Salvador: 388 kmHonduras: 109 km + 14 kmNikaragua: 368 kmCosta Rica: 560 km + 27 kmPanama: 535 km + 126 kmMittelamerika: 2.480 km (+ 167 km), 6.600 Hm (geschätzt), 136:59 Std. (187:40 Std.);19 ½ Fahrtage, 9 ½ Ruhe-, Technik-, Wartetage, 1 Transporttag;127 km/Tag, 18,1km/Std., 338 Hm/Tag, 266 Hm/100 km
Tourverlauf :
La Mesilla (Guatemala) - Huehuetenango - San Cristobal Totonicapan (CA1) - Sololá (1) - Panajachel (Atitlán-See) - (San Lucas Taliman) (11) - Tal des Rio Madre Vieja zur CA2 - Escuintla - Ciudad Pedro de Alvaredo (Grenze zu El Salvador) - zur/an der Kueste entlang bis La Libertad - El Transito - San Miguel - Sirama - El Amatillo (Grenze zu Honduras) - Nacaome (CA1) - Choluteca - Guasaute (Grenze zu Nikaragua) - Chinandega - Leon - Managua - Jinotepe - Rivas - Peñas Blancas (Grenze zu Costa Rica) - Liberia (1) - Cañas - Barranca - Jaco - Parrita (23) - Quepos - Savegre (Schotter) - Palma Norte - Paso Canoas (Grenze zu Panama) - David - Santiago - Santa Clara - Panama-City

Donnerstag, März 22, 2007

Bilder (Mittelamerika)

Bilder (Mittelamerika)
Mittelamerika


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"Was, in Panama bist du schon, da schaffst du den Rest auch noch !"

Mittwoch, März 21, 2007

Kolumbien

Kolumbien

CYCLOVIA. Radfahrerfreundliches Land. Die Berge. Wahnsinnsanstiege.
Sonntag 15.10.2006 bis Mittwoch 26.10.2006
Am Sonntag (15.10.) bin ich nach Bogota geflogen und auch noch am Montag dort geblieben. Der 16.10. war ein Feiertag (Kolumbustag, 12. Oktober; wenn dieser Feiertag auf einen Wochentag - ausser Montag - faellt, wird er am darauffolgenden Montag gefeiert). An allen Sonntagen und Feiertagen gibt es in Bogota (und einigen anderen grossen Staedten Kolumbiens ?) den CICLOVIA. An diesem Tag werden einige Hauptstrassen in der Stadt fuer den Autoverkehr total gesperrt und sie sind nur fuer Radfahrer befahrbar. Es sind Tausende, die sich durch die Strassen bewegen. Die Organisation und Sicherheit ist vorbildlich. Nun konnte ich am Montag an so einem Ciclovia teilnehmen und einige Fotos machen. Bogota ist die radfahrerfreundlichste Stadt der Welt.
Mit dem Bombenattentat an der Bogotaer Universitaet am Donnerstag - falls das Fernsehen in Deutschland davon berichtet hat - habe ich nichts zu tun. Es sind nun auf den Strassen verstaerkte Kontrollen, um eine Wiederholung auszuschliessen und die Attentaeter zu fassen. Ich fuehlte und fuehle mich in Kolumbien absolut sicher.
Die Leute sind sehr aufgeschlossen gegenueber Radfahrern. In keinem anderen Land wurde ich soviel angesprochen. Motorradfahrer fuhren langsam neben mir her und unterhielten sich mit mir (einer 1/2 Stunde). Sie laden einem zum Kaffee ein und kennen Jan Ullrich (auch wenn der jetzt ein vermeintliches Dopingvergehen anhaengen hat). Sie geben einem kleine Geschenke. Die Autofahrer gruessen aus den Autos. Haette ich Kolumbien ausgelassen, waere das ein Verlust gewesen. Ich bin froh, hier zu fahren.
Der "La Linea"-Pass ueber die Zentral-Kordilleren zeigte mir meine Grenzen. Von 770 m auf 3.210 m hatte ich zu klettern und musste nach nur 78 km bei 2.600 m erst mal Quartier nehmen (weil des dunkel wurde) und die restlichen 500 Hm (7,8 km) am naechsten Morgen bewaeltigen. Und dann geht es wieder steil bergauf. Es wird eng und du faehrst unruhig, weil die Geschwindigkeit gering ist und dich das Gepaeck hin und her zieht. Aller 100 Hm musste ich 5 min pausieren und dann unter Muehen wieder aufsteigen. Und steig mal im kleinsten Gang wieder auf, mit der schweren Maschine torkelt man hin und her, muss ganz schnell reagieren, mit dem anderen Fuss die Pedale erfassen und weitertreten. Alles waere ja nicht so schlimm. Aber ueber diese Passstrasse rollt ein immenser Verkehr von LKW's (5-achsige Hänger), sie kommen immer in Rudeln 3,4,....10 Stueck mit anderen grossen Autos dazwischen. Wenn du dann glücklich eine Pause abgepasst hast und aufgestiegen bist und eine neue Karawane rollt von hinten an, dann wirst du nervös und wackelst in deinem kleinsten Gang (bei der niedrigen Geschwindigkeit ist ja das Rad auch wegen der langsamen Umdrehungsgeschwindigkeit der Laufräder nicht so stabil - Kreiselgesetz - und das Gepäck verleiht ihm obendrein in diesem Falle noch eine gewisse Instabilitaet) und schwitzt Blut und Wasser, dass du nicht nach rechts den Seitenstreifen runterfährst oder zu nahe an die LKW's kommst. Die 7 % Durchschnittssteigung (die Grundstrasse in Dresden hat 4 %) sind nicht gleichmaessig verteilt und du hast an vielen Stellen 10 %. Ich war froh, in Costa Rica die Antriebsgruppe gewechselt zu haben und ueber-/untersetzte so bis 22/32. Von 3.200 m bin ich dann 23 km auf kurvenreicher Strasse auf 1.400 m in 30 min vorsichtig abgefahren
Heute habe ich in Papayán einen Ruhetag eingelegt, um Rad und Koerper zu pflegen.
Das war auch noetig, denn jetzt kommen Steigungen, an die ich noch oft denken werde. 1.000 bis 2.000 Hm pro Tag, Durchschnittsgeschwindigkeiten knapp ueber 10 km/h (beim direkten Anstieg 5-7 km/h), Tagesetappen mit nicht viel mehr als um 70 km lassen die Herausforderungen erkennen, die einen die Berge abverlangen. Man muss sich seine Kraefte sehr gut einteilen. Es setzt sich nach der Grenze bis Quito (2.700 bis 3.000 m hoch) aehnlich fort.
Eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 15,9 km/h täuscht etwas über die wahren Verhältnisse hinweg, weil nach einem Anstieg auch immer wieder eine Abfahrt kommt. Betrachtet man die Tagesabschnitte einzeln, kann man sich eher ein Bild davon machen. Hier liste ich einmal die "langsamsten Tage" auf. Höhenmesser ist wieder i.O.
18.10.: 75 km, 6:35 Std. (10:30 Std.), 2.111 Hm, 11,4 km/h, (2.815 Hm/100 km)
24.10.: 92 km, 7:32 Std. (10:40 Std.), 2.040 Hm, 12,2 km/h, (2.217 Hm/100 km)
25.10.: 73 km, 6:24 Std. (11:45 Std.), 1.745 Hm, 11,4 km/h, (2.390 Hm/100 km)
26.10.: 70 km, 6:29 Std. (8:25 Std.),
1.385 Hm, 10,8 km/h, (1.979 Hm/100 km)

Statistik :
1.019 km (+ 47 km), 11.587 Hm, 63:12 Std. (91:25 Std.)
9 Tage, 2 Ruhetage, 1 Flugtag
114 km/Tag, 16,1 km/Std., 1.306 Hm/Tag, 1.143 Hm/100 km

Tourverlauf :
Flug Panama City (Tecumen) - Bogota - (wieder auf dem Fahrrad) Ibague - La Linea Pass (3.210 m) - Armenia (40) - Tulua (25) - entlang im Cauca -Tal bis Palmira - Cali - Popayan - Pasto - Grenze zu Ecuador (25) - Tulcan (35) (Ecuador) 
Fotos nach Ecuador

Dienstag, März 20, 2007

Ecuador

Ecuador


Frieren am Aequator

Freitag 27.10.2006 bis Montag 06.11.2006
Um eine Vorstellung von den Anstiegen zu bekommen hier eine kleine Hoehenprofilschilderung. In Tulcan nach der Grenze bin ich auf 2.830 m, steige auf 3.150 m, hab eine Wahnsinnsabfahrt auf 1.550 m und steige zum Feierabend noch mal auf 2.117 m. Dabei schaffe ich an diesem Tag sogar 131 km. In der Abfahrt ist Halten angesagt, denn mir kommt Tim aus England entgegengeradelt. Er faehrt von Feuerland nach Alaska in 18 Monaten, ist im Januar gestartet und hat bis Juli 2007 Zeit. Am naechsten Tag will ich bis Quito. "Noch 700 Hm" denke ich, "das koenntest du schaffen." Denkste. Es geht zunaechst wieder auf 3.000 m , dann auf 1.500 m hinunter und endet fuer mich an diesem Tag bei 2.055 m, 23 km vor und 935 m "unter" Quito. Diese Strecke/Hoehe nehme ich dann am Sonntag "spielend" und nach einem Telefongespraech mit David (er hatte vor 11 Jahren 3/4 Jahr in unserem Institut gearbeitet), holt er mich vom Ortseingang Quito ab. "Hotel, ach was, du wohnst bei uns." Ich werde in einer eigenen Wohnung untergebracht, fuerstlich verpflegt und verwoehnt. Ich verlaengere meinen Aufenthalt zwar um einen Tag, aber dann muss ich wirklich weg, um mich nicht an so viel Bequemlichkeit zu gewoehnen.
David nimmt mich mit ins Institut, wo ich den Computer benutzten kann und fuehrt mich durch die schoene Altstadt (UNESCO Weltkulturerbe). Wir steigen auf einen Turm der Basilika und geniessen den Blick auf die herrlich gelegene Stadt Quito. Leider hat der Aufenthalt in Quito einen kleinen Haken: Es ist kalt und ich friere an den ersten zwei Tagen. Ich werde daran erinnert, dass in Europa der Herbst eingezogen ist - aber hier am Aequator. Ach so, seine Ueberschreitung/Ueberfahrung 30 km noerdlich von Q. hab ich zwar bei meiner Anstrengung registriert aber irgendwie nicht so wahrgenommen, dass ich ein Foto davon geschossen haette (nach meiner etwas ungenauen Karte durfte er noch gar nicht dort sein).
Am Donnerstag den 4. November verliess ich David und seine Familie wieder, radelte am Cotopaxi vorbei (Abfahrt: 83,6 km/h), den ich am Abend sogar ohne Wolken erlebte, und hatte einen idyllischen Zeltplatz an einer kleinen Lagune (3.188 m) am Fuss des Chimborasso, der sich mir auch ohne Wolken zeigte. Am naechsten Tag geht es erst mal von der Hoehe auf 1.280 m hinunter (21 km, 1.200 Hm) zu einer schoenen Hotelanlage mit swimming pool. Die Berge wollen mich nicht loslassen. Ich muss noch mal ansteigen und dann durch eine dicke Wolkendecke mit oft unter 30 m Sicht und Rollsplit auf der Strasse fahren, dazu leichter Regen, der die Fahrbahn auch nicht gerade sicher macht und das bei nur etwa 14°C. So wird die Abfahrt (27 km, 1.400 Hm) kein volles Vergnuegen, Sicherheit ist oberstes Gebot und so fahr ich oft nur 20-25 km/h, muss anhalten, um die vom Bremsen heiss gewordenen Felgen auskuehlen zu lassen. Der zweite Abschnitt dieses Tages konnte unterschiedlicher nicht sein. Erst noch 10 km leichtes Gefaelle durch Urwald. Dann ist es, wie auch am ganzen naechsten Tag, flach und fuehrt durch Bananenplantagen (Ecuador ist der groesste Bananenexporteur der Welt). So erreiche ich am Montag abend die Grenze und fahr am 07.11.2006 von Huaquillas nach Peru.

Statistik :
Ecuador: 921 km, 7.698 Hm, 56:24 Std. (79:40 Std.)7 ½ Tage, 3 ½ Ruhetage122 km/Tag, 16,3 km/Std., 1005 Hm/Tag, 836 Hm/100 km

Tourverlauf :
Tulcan - Ibarra - Quito - Riobamba - Alausi (35) - El Triunfo (Nebenstrasse) - La Troncal - Pto. Inca (60) - Naranjal - Santa Rosa - Arenillas - Huaquillas (Grenze zu Peru) (25).

Montag, März 19, 2007

Bilder (Kolumbien und Ecuador)

Bilder (Kolumbien und Ecuador)
Kolumbien und Ecuador


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Sonntag, März 18, 2007

Peru

Peru

"Desierto de Sechura" (Wueste). Wind und eine Bitte an den lieben Gott. Luchos Radfahrerhaus.
Dienstag 07.11.2006 bis Dienstag 14.12.2006
Nun bin ich schon in Peru. Kann ich mir noch gar nicht vorstellen. Der Berge lasse ich erst mal links liegen (im wahrsten Sinne des Wortes). Jetzt ist es aber ein anderer "Freund" der Radfahrer (siehe dazu Bemerkung weiter unten "Die vier Feinde des Radfahrers"), der es mir angetan hat: Der Wind.
Ich fahr direkt an der Kueste entlang und da "steht" er meist von vorn. Meine Geschwindigkeit ist dabei oft nur um 15/16 km/h. Doch manchmal hab ich IHN auch im Ruecken, das ist dann ein Highlight des Tages, leider selten. Die Strasse fuehrt hier an der Kueste durch ein wuestenartiges Gebiet. Es ist zwar trocken und warm, aber durch den Luftzug schwitzt man kaum. Kein unangenehmes Fahren. Gestern hatte ich einen Wahnsinnsritt von 191 km ueber 11 Stunden (auch bei leicht welligem Gelaende mit 628 Hm), morgen werden es durch die Wueste 200 km (bisher meine einzige 200 km-Strecke auf dieser Tour) und daher goenne ich mir heute einen Ruhetag, denn es heisst zeitig aufstehen und gegen 5 Uhr losfahren.
Leute, seit Panama fuehle/weiss ich, dass ich die Tour schaffen kann. Koennt ihr euch vorstellen, in was fuer einer Stimmung ich mich befinde ?
4 Tage spaeter in Trujillo: Es wurden keine 200 km. Nach 12 ½ Stunden Radfahrt (15 Stunden unterwegs) war ich am Ende meiner Kuenste/Kraefte. Es war finster und die "Policia carretera" hatte Erbarmen und nahm mich an einer Mautstelle fuer eine Nacht bei sich auf, denn im Ort gab es kein Hotel und zelten war unmoeglich. Die naechsten Tage verstaerkte sich der Wind noch und uebermorgen werde ich wieder in die Berge "fluechten". Sie sind "nur" das Fegefeuer im Vergleich zur Hoelle des Windes.
Bei der Fahrt durch die Wueste koennte etwa folgendes Gedanken-Gespraech stattgefunden haben.

"Lieber Gott" - so es dich gibt -, "gib mir doch mal 100 oder 200 km mit leichtem Gefaelle und ein wenig Rueckenwind oder auch nur eines von beiden, aber auf keinen Fall Gegenwind oder Berge."
"Mein Sohn", so sprach der Herr, "waerst du Gottloser doch die Strecke andersherum, von Sued nach Nord gefahren, haettest du die letzten drei Tage Rueckenwind gehabt."
Der Teufel, diabolisch grinsend: "..... und dabei halten wir noch schoene Gegenwindstrecken fuer dich bereit."
Und vorgestern (Sonntag 12.11.2006), wo es am schlimmsten war, fasste ich den Entschluss von der Hoelle doch erst mal wieder ins Fegefeuer auszuweichen, d.h. zwar den Teufel mit dem Belzebub austreiben. ABER wenn man bergauf faehrt, faehrt man irgendwann wenigstens wieder mal bergab, aber Gegenwind bringt nicht automatisch Rueckenwind an anderer Stelle, nur wenn man Glueck hat, erwischt man auch mal welchen. Allerdings kann auch Gegenwind mal aufhoeren, doch darauf hatte ich drei Tage vergeblich gehofft.

Heut am Dienstag hab ich mich am Computer geschafft und der hatte auch seine kleinen Teufelchen, da der Server mit dem Blogger nach dem Bildereintragen Probleme hatte, uebertrug er mir erst mal 25 Bilder nicht und ich musste sie erneut eingeben.
Hier in Trujillo gibt es ein Radfahrerhaus. Ein ehemaliger Spitzenrennfahrer, der auch noch aktiv faehrt, nimmt in seinem Haus einfach jeden auf, der auf grosser Radreise ist. Lucho hat ein dickes Gaestebuch (ein paar Baende), wo sich alle eintragen, die auf grosser Fahrt unterwegs sind. Er weiss zwar nicht von allen das Alter, aber zu den aeltesten, die Alaska - Feuerland oder umgekehrt fahren, gehoere ich schon. Z.Zt. sind ausser mir noch an Francokanadier und ein russisches Paerchen aus Petersburg im Haus. Es ist wie eine Familie und wir tauschen natuerlich inbesondere unsere Streckenerfahrungen aus. Es ist grossartig und veranlasste mich, einen Tag laenger zu bleiben. So konnte ich das Tagebuch aktualisieren und auch nuetzliche Hinweise fuer die weitere Tour sammeln.

Gruene Wueste. Machu Picchu. Die Linien von Nasca. Ein falscher "Fuffzcher". Ein Heim fuer Kinder - Hilfe fuer Kinder
 
Mittwoch 15.11.2006 bis Samstag 02.12.2006
Von Trujillo nahm ich nun doch erst mal den Weg an der Kueste entlang nach Lima. Es war eine herrliche Fahrt, teilweise sogar mit Rueckenwind durch die Wueste. Zuerst ging es durch ein Gebiet, wo man mit einem ehrgeizigen Programm an der Kueste versucht, die Wueste fuer Pflanzenanbau zu nutzen - und soweit ich das beurteilen kann - auch mit Erfolg. Es ist erstaunlich zu sehen, wie sich grosse Gruenflaechen auf dem Wuestensand ausbreiten, durch Bewaesserung erhalten werden und auch Tieren (Voegeln !) einen neuen Lebensraum bieten. Im Landesinneren beeindruckt die Wueste durch ihre Erhabenheit und Stille (wenn keine Auto kommt). Ich liebe diese karge Landschaft, so dass es mir eine Freude war, dort zu fahren.
Es fuehrt eine sechsspurige autobahnaehnliche Strasse durch Lima, die man als Radfahrer benutzen darf, aber es erfordert vollste Aufmerksamkeit und Kaltbluetigkeit, sich zwischen all den LKW´s, Bussen und PKW´s zu bewegen. Am sichersten fährt man ganz links. An den naechsten Tagen machte das Radfahren mal wieder richtigen Spass fast ohne Wind und mit Steigungen, die sich im Rahmen des Ertraeglichen halten.
In Nasca legte ich einen Stopp ein, um mein Rad unterzustellen und in einem Kurztrip (14 Stunden Busfahrt !) nach Cusco zu fahren. Dort sah ich mir die eindrucksvolle Kathedrale an, eine Kirche (eigentlich die Verbindung von drei Kirchen), wie ich sie in ihrer Ausschmueckung noch nicht gesehen hatte. Und natuerlich fuhr ich mit der Eisenbahn (diese Fahrt allein durch das Urubamba-Tal ist ein Erlebnis, eine spektakulaere Streckenfuehrung, teilweise im Zick-Zack vor und zurueck, um auf diese Weise an Hoehe zu gewinnen ) zum Machu Picchu, einem Inka-Siedlungsort, der 1901 durch Bauern wiederentdeckt, aber erst 1911 von der wissenschaftlichen Welt wahrgenommen wurde.
Zurueck von Cusco flog ich ueber den "Linien von Nasca" jenen raetselhaften Figuren auf einer Hochebene im Gelaende um Nasca, um deren Dokumentation und Erforschung sich die Dresdner Wissenschaftlerin Maria Reiche verdient gemacht hat (Ich hatte schon das Museum in Ica besucht). Als ich einen Besichtigungsturm vor meiner Einfahrt nach Nasca bestieg und mich als Deutscher zu erkennen gab, sagte mir der Kassierer (1 Sol = 0,25 Euro) auf deutsch, dass Maria Reiche aus Dresden stamme. "Ich auch", antwortete ich, was ihn erfreute und er nach einer Postkarte von Dresden fragte. Als ich ihm eine der wiederaufgebauten Dresdner Frauenkirche gab, war er selig.
Bei der Abfahrt aus Nasca drehte man mir eine 50-Sol-"Bluete" (ca. 12,50 €) an, was ich bzw. die Bedienung einer Gaststaette erst 6 Stunden spaeter feststellten.
Von Nasca ging es drei Tage an der Kueste entlang und die Hoelle hatte wahrscheinlich wieder neue Kohlen bekommen und das Hoellenfeuer (sprich: den Gegenwind) neu entfacht. Durchschnittsgeschwindigkeiten um 13km/h und reine Fahrtdauern von jeweils etwa 10 Stunden waren da angesagt. Und dann konnte ich hinter Camana bei einem 15 km langen Anstieg nach 6 km nicht widerstehen "fremdzufahren". Ein LKW-Fahrer hielt von sich aus an (der erste seit Alaska) und bot mir an, mich anzuhaengen bzw. nach weiteren 3 km das Rad aufzuladen und mitzufahren. Ich wollte ja eigentlich nur den Berg hinauf, aber konnte dann der Versuchung, d.h. des draengenden Angebotes des Fahrers ("Es geht noch zweimal lang und steil hoch und wir nehmen dich sogar bis Puno mit") nicht ganz widerstehen und liess mich wenigstens bis Arequipa mitnehmen. Ich sparte einen Fahrtag, denn mit dem Rad haette ich die Strecke (180 km bei 2.300 Hm) an einem Tag nicht geschafft. Wer sich je am Berg geschunden hat, wird das verstehen. Mir entgingen an diesem Tag allerdings auch einige schoene Rueckenwindstrecken und Abfahrten.
Jetzt bin ich in Arequipa in einer Einrichtung, die wir - meine Frau und ich -schon seit Jahren ueber eine Schweizer Missionsgesellschaft unterstuetzt hatten.
Ich wohne in einem kleinen Zimmer im Haus einer Art WG, aber anders als bei uns. Dazu gehoeren: eine Peruanerin (25), ein peruanisches Paerchen mit einem 9 Monate altem Kind, eine Junge, Sixto (12) und ein Maedchen, Martha (15). Die zwei Kinder sind im Gebiet um Cusco zu Hause und lebten in 4.000 m Hoehe. Das Maedchen konnte die Sonnenstrahlung nicht vertragen und hatte eine akute Sonnenallergie, der Junge konnte wegen Armut der Mutter (8 Kinder, Vater an TBC gestorben) nicht mehr zur Schule gehen. Diese zwei haben jetzt hier in dieser kleinen Familie ein zu Hause gefunden, gehen zur Schule und sind froehliche Kinder. Heute hab ich mit ihnen einen Teil des Gartens umgegraben. Es stimmt einen sehr nachdenklich zu sehen, wie Kinder hier um eine Bildung ringen muessen, die ihnen in unserem Lande geradezu in den Schoss faellt. Mit dieser "Familie" werde ich sicher einen froehlichen, besinnlichen 1. Advent feiern. Sie werden singen, wir werden am Vormittag Stollen und Plaetzchen backen und ich werde sie (leider) am Montag verlassen, aber mit einem Gefuehl des Bedauerns und sogar ein bisschen der Scham, ein Gefuehl, das man nicht beschreiben kann.
Diese Einrichtung finanziert sich ausschliesslich von Spenden aus Deutschland, der Schweiz, den USA und wird auch weiterhin im bescheidenen Rahmen von uns unterstuetzt werden. Ich komme bei Gelegenheit darauf zurueck !

4.528 m ! Ueber den Titicaca-See.
 
Sonntag 03.12.2006 bis Samstag 09.12.2006
Es waren bei der Strecke von Arequipa nach Juliaca scheinbar "nur" 1.500 Hm zu ueberwinden (2.300 m auf 3.800 m), doch mein Hoehenmesser zeigte zwischenzeitlich 4.200 m (eine amtliche Angabe lautete sogar 4.528 m) und in dieser Hoehe fuhr ich fast 2 Tage. Da macht sich mangelnde Anpassung stark bemerkbar: leichte Kopfschmerzen und sehr schnell Ermuedung, so dass ich oft absteigen und ausruhen, ja (bei einer Uebersetzung von 22 : 32 !!!) sogar absteigen und schieben musste und das in einem Gebiet, wo die Hauptsteigungen schon hinter/unter mir lagen. Fuer 400 km brauchte ich 4 ½ Tage und war an jedem Abend geschafft. Dabei waren die Uebernachtungsmoeglichkeiten - wenn ueberhaupt vorhanden - sehr einfach und anspruchslos. Einmal schlief ich in einer Polizeistation.
Heut bin ich in Puno angekommen, das waren nur 52 km. Doch ich merkte, dass ich schon bestens hoehenangepasst bin, denn ich hatte an einem langen Anstieg keine Konditionsprobleme und die Beine wurden nicht schwer. Morgen frueh geht es mit einem kleinen Privatboot fuer viel Geld ueber den Titicaca-See zur bolivianischen Grenze, am Abend werde ich in Copacabana (Bolivien) sein und damit Abschied von Peru nehmen - ein Land das mir kraeftemaessig viel abgefordert hat, das mir aber auch viel gegeben hat, an Naturerlebnissen und sozialen Einblicken. Mein halbtägiger Aufenthalt in Puno liess mich diesen Touristenort und sein Leben etwas naeher kennenlernen.

Statistik:
Peru: 2.690 km (+ 52 km), 13.100 Hm, 173:13 Std. (225:05 Std.)
21 ½ Tage, 7 ½ Ruhetage, 3 Exkursionstage
125 km /Tag, 15,5 km/Std., 609 Hm/Tag, 487 Hm/100 km

Tourverlauf:
Huaquilla (Grenze) - Tumbes - Talara - Sullana (1A) - Piura - Chiclayo - Trujillo - Chimbote - Barranca (1N) - Ancón (NS) - Lima (1N) - Chinca Alta - Piso - Ica -Nasca (1S) - [Nasca - Cusco (26A mit Bus) - Machu Picchu (mit Eisenbahn und Bus); gleicher Weg zurueck nach Nasca] - Lomas - Atico - Camana (1S) - (von 21 km hinter Camana mit LKW bis...) Arequipa - Juliaca (28, 30B, 30A) - Puno (3S) - mit Barke ueber Titicaca-See bis Yonguyo (mit Rad) zur Grenze nach Bolivien (o.Nr.) - Copacabana (Bolivien)
Fotos nach Bolivien

Samstag, März 17, 2007

Bolivien

Bolivien


Hostal - Hosterjia - Hospedia - Alojamiento. Schotter und Betonstrasse.
Samstag 09.12.2006 bis Freitag 15.12.2006
 
Die Fahrt ueber den Titicaca-See verlief ohne Zwischenfaelle. Mit 7 Mann Besatzung und "Oscar" vom Tourismusbuero stechen wir am Samstag 6.30 Uhr in See und sind nach 9 Stunden auf der anderen Seite; dort legen wir - da es keinen Hafen gibt - an einer Steinmole an und das Ausladen meines Gepaecks wird zum waghalsigen Abenteuer, aber gluecklich beendet.
Nur noch 9 km bis zum exklusiven Bad Copacabana, wo ich ein Hotelzimmer fuer 5 USD miete. Die Fahrt am naechsten Morgen nach La Paz wird ein wunderschoenes Erlebnis. Es geht vom See (3.811 m) auf ueber 4.250 m hoch und man faehrt auf einer schmalen Landzunge zwischen zwei Seen, wobei man eine malerische Landschaft ueberblickt. In Huatajato besuche ich das Kon tiki Museum, fuehle superleichtes Balza-Holz und stelle mir vor, wie Toor Heyerdahl das Holz von hier nach Puno und dann 4.000 m tiefer zum Meer gebracht hat.
Bei der Hotelsuche in La Paz erweisen sich die fehlenden Sprachkenntnisse als Manko. Bisher hatte ich in allen spanischsprechenden Laendern (und auch noch in Copacabana) eine Uebernachtung unter "Hostal, Hosteria, Hospedia oder Hotel" gefunden. Danach suche ich. Hier heisst das "Alojamiento" (Unterkunft), an solchen war ich vorbeigefahren. Erst als ich an einer Tankstelle frage, klaert man mich ueber die andere Bezeichnung auf.
Von La Paz geht es durch eine lieblich, flache Landschaft in 4.000 m Hoehe. Kaum Steigungen, nichts von Regenzeit zu merken. Die Strecke des naechsten Tages fuehrt zur alten Minenstadt Oruro und die Landschaft unterscheidet sich von der des Vortages kaum. Unterwegs Schafhirten, aermliche Lehmdoerfer, Strassenarbeiter, mit denen ich fruehstuecke. Es rollt "wie in alten Zeiten" und die Hoehenakklimatisation scheint geglueckt zu sein. In Oruro herrscht das totale Verkehrschaos: enge Einbahnstrassen, aufgerissene Fusswege, hupende Autofahrer, dazwischen Leute und auch mal ein Radfahrer, der sich vollkommmen hilflos vorkommt. Von Oruro sind es bis zur chilenischen Grenze 246 km. Aber was fuer welche: 44 km normale Betonstrasse - 60 km Schotterstrasse "vom Feinsten" (fast nur Wellbleche, Geschwindigkeit um die 8 km/h) - die naechsten Tag 70 km allerfeinste, spiegelglatte Betonstrasse (gerade fertig gebaut) ohne jeden Fugenstoss, das beste, was ich auf meiner ganzen Tour gefahren bin - und wenig Verkehr. Abrupter Abbruch und wieder Schotter (30 km in 3 1/2 Stunden). Dann geht es 42 km "schottrig" bis zur chilenischen Grenze, wobei noch einige Steigungen (zweimal von 3.800 m auf 4.050 m) hinzukommen. Der aufgeworfene Split an den Strassenseiten (man faehrt rechts oder links, je nach Strassenbeschaffenheit) laesst das HR einige male wegrutschen und mich auf der Strasse landen.
Nach dem Grenzuebertritt erhoffte ich glatten Asphalt, aber es geht z.T. mit Schotter weiter. Aus zwei geplanten Tagen bis Iquique in Chile werden 3 1/2 Tage. Die Naechte ab Oruro verhalfen dem Zelt wieder zu seiner Daseins-/Mitnahmeberechtigung, weiter davon bei Chile.

Statistik:
624 km (+ 12 km), 1.993 Hm, 42:06 Std. (55:10 Std.)
6 Tage, kein Ruhetag, 1 Transporttag
110 km/Tag, 14,8 km/Std, 380 Hm/Tag, 319 Hm/100 km
Tourverlauf:
Copocabana (Bolivien) - San Pedro de Tiquina - mit der Faehre nach San Pablo de Tiquina - Huarina - Huatajato (Kon tiki Museum) - La Paz - Patacamaya - Oruro (1) - Toledo (NS, noch Betonstrasse) - Pisiga Bolivar (Grenzuebergang zu Chile, NS, Strasse wie oben beschrieben) - Colchane (Grenzort auf chilen. Seite) - weiter bis Quebe (Chile).

Freitag, März 16, 2007

Bilder (Peru und Bolivien)

Bilder (Peru und Bolivien)

Peru und Bolivien



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Donnerstag, März 15, 2007

Chile

Chile

Schotterstrasse vom Feinsten.
Samstag 16.12.2006 bis Dienstag 26.12.2006
(2. Weihnachtsfeiertag - hier kein Feiertag) 

Noch einige Bemerkungen zu der Fahrt ab Oruro, obwohl das z.T. noch in Bolivien war. Ich hatte die Tuecken des Schotters falsch eingeschaetzt und nicht mit so langsamem Vorwaertskommen gerechnet. Die Ortschaften sind nur aermliche Lehmdoerfer und man bekommt hoechstens etwas zu trinken, zu essen oder ein Mittagessen. Mit Uebernachten ist da nichts. So war meine ganze Aufmerksamkeit darauf gerichtet, am Abend genug Wasser und ein paar Broetchen zu haben, um mich ernaehren zu koennen (Haferflocken, Suppen und Brotbelag hatte ich im Gepaeck). Am letzten Tag war es dann ein bisschen kritisch - da ich glaubte schneller in den Genuss der Abfahrt aus 4.300 m Hoehe auf 1.200 m Hoehe (Huara) zu kommen - und ich musste, um nicht vor (von einem) Hunger(ast) vom Rad zu fallen, die "eiserne Reserve", eine grosse Buechse Kaffeesahne und trockene Haferflocken, zu mir nehmen - das half bis ich dann das erloesende Mittagessen in Tarapaca einnehmen konnte.
Drei Naechte im Zelt ist nichts Besonderes, aber es war nur sandiger, schmutziger Felsuntergrund, halt einmal in Quebe (Chile), waren es weiche Bergmossflechten und ein kleiner Bach in der Naehe (hab vorsichtshalber aber nur das Geschirr darin abgewaschen). In den Naechten war es kalt (ich fror aber nicht im Schlafsack) und als ich in Quebe mein Zelt am Morgen einpackte, lag Eis vom naechtlichen Regen auf dem Zelt.
Waschen war an diesen drei Tagen/Abenden Luxus. Und man war nicht nur "normal" dreckig, sondern die auf den Strassen fahrenden LKW´s und vorbeirasenden oder entgegenkommenden Busse wirbelten jedesmal eine Staubwolke auf, da konnte man nur noch die Augen schliessen, nach einigen Sekunden wieder oeffnen und sah auf seiner Haut weiteren Staub. Das ging drei Tage so und der Staub setzte sich dann an der Innnenseite der Sachen ab, die man in der Nacht anzog bzw. im Innenbezug des Schlafsacks.
So war ich froh, als ich in Huara ankam (wollte an diesem Tag eigentlich bis Iquique), ein schoenes Zimmer mieten und mich endlich richtig warm duschen und den Staub der letzten Tage von mir spuelen konnte.
Der naechste Tag (17.12.) war dann eine Erholung. Es ging nur ueber 75 km nach Iquique mit nochmals 1.200 m Hoehenunterschied. Die Fahrt nach Iquique hinunter war eine Augenweide (und ausgerechnet da hatte ich Probleme mit dem Fotoapparat und konnte diesen einmaligen Anblick einer am Meer liegenden Stadt von oben nicht im Bild festhalten - Kamera ist wieder i.O.). In Iquique liess ich dann dem Rad die gleiche Pflege angedeihen, wie mir in Huara. Es ist jetzt fit fuer die letzten .....tausend km.
Dass ich bei der Abfahrt den 20.000sten km gefahren bin, ist ja unten zu sehen.

Wo ich Weihnachten verbringe ? Ich weiss es noch nicht । Und wo meinen Geburtstag (ich hoffe, viele e-mails zu bekommen) - weiss ich auch noch nicht !



20.000 km
(17.12.2006, 13.00 Uhr, 18 km vor Iquique auf einer herrlichen Abfahrt)

In eigener Sache. 36. Hochzeitstag (Sonntag, 17. Dezember 2006)

Liebe Gisela, heute ist unser 36.Hochzeitstag und ich moechte dir hier in aller Oeffentlichkeit dafuer danken, dass du mich in all dieser Zeit ertragen hast.

Aber ich schreibe es vor allem hier, weil ich dir so unendlich dankbar bin fuer dein Verstaendnis, das du aufbringst, damit ich diese Tour durchfuehren kann, dafuer, dass ich meinen Traum verwirklichen kann. Ich weiss, es ist fast eine Zumutung, umso so mehr bewundere ich dich. Auch wenn du es vielleicht nicht verstehst, dass man so verrueckt sein kann, aber du hast es akzeptiert, auch wenn es fuer dich manche zusaetzliche Belastung brachte und bringt.
Ob ich dir das jemals "heimzahlen" kann ? Ich will es versuchen. Ich danke dir unendlich dafuer. DANKE !
Der kleine Blumengruss aus Chile zu unserem Hochzeitstag. Ich umarme dich !
Dein Peter


Wueste. Wieder "Fremd"fahren. Hilfe vom Tourismusbüro. Fernsehen

Drei Tage
von Iquique nach Antofagasta und immer nur Wueste. Doerfer dazwischen, das sind nur ein paar Holzhuetten. Aber Restaurants hat man schon, um gut Mittag zu essen. Ich zelte zwei Naechte, ehe ich in A. bin. Und dabei bin ich noch "fremd"gefahren. Ich wollte es unbedingt schaffen, Weihnachten in einer Stadt zu sein, von der aus man telefonieren kann, also musste ich heute die Etappe schaffen. Gegenwind was das Zeug haelt. Nach 2 Stunden war mir klar, dass es nichts wird. Es waren zwar noch drei Tage vor Heiligabend, aber da kamen ploetzlich zwei "Engel" in Gestalt von Kraftfahrern und luden mich in ihren Transporter fuer die letzten 100 Kilometer nach Antofagasta ein. Da kann man nicht ablehnen. Von A. nach Chañaral war das Terrain ebenso und der Wind und 420 km. Von A. ging es stetig aber ganz allmaehlich bergauf, "ploetzlich" war man auf 1.200 m und am naechsten Tag auf ueber 2.000 m. Hier lachte auch mal das Radfahrerherz - RUECKENWIND. Am 24.12. kaempfte ich, um Chañaral zu erreichen (das Christkind hatte dabei als besondere Ueberraschung noch einen steifen Gegenwind - bergab 13 km/h beim Fahren im Stehen - als "Geschenk" auf den letzten 20 km bereit) und 17.30 Uhr (in Deutschland 21.30 Uhr) hatte ich dann endlich die - wenn auch sehr teure - telefonische Weihnachtsverbindung nach Hause.
Die Strecke nach Copiapó war "nur" 170 km lang, aber da ich meine Luftpumpe vergessen hatte, nach 8 km noch einmal umkehrte, musste ich doch 1,5 Tage fahren, wobei wieder mal die Defekthexe 8 km vor Copiapó zuschlug (Glasspitter auf einem extra ausgewiesenem Radweg, den ich dann nicht mehr benutzte).
In Copiapó, das ich von meinem Aufenthalt 2003 gut kannte, hatte ich einen guten Draht zum Reisebuero. Sie halfen mir einige Faehr- und Busverbindungen fuer die Rueckfahrt herauszufinden. Heute Abend werden wir noch zusammensitzen, gemeinsam essen (und trinken).

Ach so, das chilenischen Fernsehen war auch da und ich musste ueber meine Tour (in englisch) berichten. So wird man "weltberuehmt".

Die naechsten Etappen fuehren mich erst noch weiter durch die Atacamawueste, die sich ueber den gesamten Norden Chiles erstreckt, nach Santiago der Chile, wo ich am 1. oder 2. Januar 2007 (schon wieder ein Jahr rum) sein moechte.


Freunde in Copiapo. "Fernsehstar". Silvester. Wieder hilfreiche Polizei
 
Mittwoch 27.12.2006 bis Dienstag 02.01.2007

Am Morgen des 27. geht es nach dem Zusammensein mit dem Tourismuschef von Copiapó ein bisschen spaeter weg (erst 9 Uhr) als sonst. Der 10 km lange Anstieg aus Copiapó wird im Schnitt von 11 km/h bewaeltigt. Dabei ueberhole ich ein Paerchen aus Japan, die auf der gleichen Strecke wie ich seit Mai 2005 unterwegs sind. Natuerlich ist ein Plausch angesagt und wir tauschen Erfahrungen aus, aber fuer die Weiterfahrt trennen wir uns wieder.
Die naechsten vier Naechte ist wieder mal Zelten aktuell, bei teilweise sehr schlechtem Untergrund, aber auch gutem festem Wuestensand. Es gibt keine anderen Uebernachtungsmoeglichkeiten. Genug Wasser und Brot sind die wichtigsten Nahrungsmittel, die man sich besorgen muss (und Benzin fuer den Kocher); andere Dinge (Wurst, Kaese, Marmelade, Butter) hat man im Gepaeck. Butter wird zwar am Tag sehr weich, doch in der relativen Kuehle der Nacht (7-15º C) erlangt sie wieder eine vernuenftige Konsistenz. Die vierte Nacht campiere ich auf einem Kraftfahrerstuetzpunkt und kann mich endlich mal wieder richtig waschen/duschen.
Am 28. sind es zwei Anstiege von 18 km und 15 km bei einer Hoehendifferenz von 1.214 m, die mich nerven.
Nach dem ersten Anstieg zwingt mich die Muedigkeit vom Rad zu steigen und erst mal 45 min zu schlafen. Nach dem zweiten Anstieg haelt ploetzlich ein Auto: " Ich hab sie gestern im Fernsehen gesehen, sie fahren doch nach Patagonien, ich fahre auch viel Rad". Kurze Unterhaltung und von seiner Frau ein paar Weihnachtskekse fuer mich (die ich am Abend genuesslich mit einer Tasse Kakao zu mir nehme).
Die gesamt Strecke vor Santiago ist vom staendigen Auf und Ab gekennzeichnet. Die Anstiege sind nicht sehr lang, aber an jedem Abend sind es auch ueber 1.000 Hm, die sich summiert haben.
Silvester verbringe ich in einer Kleinstadt (La Calera). Vorher geleitet mich die Polizei bzw. faehrt mich durch einen 2,6 km langen Tunnel, der fuer Radfahrer gesperrt ist. Ich spare so einen 400 m Anstieg !
Silvester ist wie ein normaler Wochentag, Geschaefte haben am Abend noch offen, nur von vier Hotels haben drei geschlossen. Bin ich froh, dann eines gefunden zu haben. Essen oder Feiern in einem Lokal - Fehlanzeige. Was bleibt mir uebrig. Ich kauf mir eine kleine Flasche guten Wein und Schokolade und feiere fuer mich allein. Kurz vor Mitternacht geh ich noch mal hinaus. Es ist nicht viel los. Ein paar Knaller, froehliche Menschen hier und da auf der Strasse und einge herrenlose Hunde. Eine Kirche hat geschlossen in der anderen begehen die Glaeubigen den Jahreswechsel auf ihre Weise. Mitternacht faehrt (das) ein(e) Polizeiauto durch die Stadt und kuendigt das Jahr 2007 durch Sondersignal an. Alle schauen ehrfuerchtig auf ein grosses mit Gluehbirnen installiertes Kreuz auf einem Berg. Das war Silvester in La Calera.
Neujahr - und das ist der Vorteil dieses Tages und auch von Silvester nachmittag - ist nicht viel los auf den Strassen und ich kann frei auf der Autobahn (fuer Radfahrer erlaubt - bei schoenem breiten Randstreifen) fahren.
In Santiago bekomme ich ein relativ preiswertes und nicht schlechtes Zimmer. Ich mach meinen Rueckflug perfekt und geniesse den Flair der Grossstadt.
Morgen geht es weiter nach Sueden. Bariloche in Argentinien ist der naechste Fixpunkt, dort werde ich im groessten (?) Schokoladengeschaeft der Welt meinen Geburtstag feiern und mich an Schokolade (hoffentlich nicht) ueberfressen.


Endlich mal >200 km. Verhinderter Thermenbesuch.
 
Mittwoch 03.01.2007 bis Donnerstag 11.01.2007

Am Mittwoch verlasse ich Santiago und kann nach ueber 22.000 km Training auf einer flachen Strecke mit Rueckenwind (ist keine Kunst) endlich meine erste (und wahrscheinlich einzige) Strecke ueber 200 km fahren. Dabei begleiten mich links (oestlich) die z.T. schneebedeckten Berge der Cordilleren (von den in Argentinien liegenden sind einige ueber 4.000 m). Die kleinen Baeche und Fluesse fuehren reichlich Wasser von der sommerlichen Schneeschmelze in den Bergen. Weite Strecken in Weinanbaugebieten und im Hintergrund wieder die Berglandschaft bestimmen die Fahrt am zweiten Tag nach Santiago. In Talca bewundere ich die modernen Universitaetsgebaeude in einer grosszuegigen Anlage vor und die herrlichen Parkanlagen in der Stadt. In einer Autobahnraststaette schenken mir Brasilianer spontan ein T-Shirt als sie von meiner Fahrt hoeren.

Der verhinderte Besuch eines Nationalparkes und eines Thermalbades
Auf der Karte hatte ich mir den Nationalpark Conguillio als Ziel ausgesucht. Ich wollte ihn durchfahren, aber wieder mal die Rechnung ohne die Schotterstrassen gemacht. Ein deutscher Wirt aus Berchtesgaden zeigte mir eine Abkuerzung, weil ich zu weit gefahren war, hab aber als ich mich eine halbe Stunde Rad schiebend bergauf geschunden hatte, beschliesse ich umzukehren und zurueck zur Autopiste zu fahren. Von dort aus wollte ich am naechsten Tag ein Thermalbad (laut Karte) aufsuchen. ABER, es war wieder ein Flopp, denn die Baeder lagen vom bezeichneten Ort weitab in den Bergen. Zum Glueck hatte ich das aber schon 25 km vorher in Villiarca erfragt und konnte den Tag noch mit einem herrlichen Bad im gleichnamigen See abschliessen.

Einladung auf eine Farm
Es rollte wieder ausgezeichnet und ich war am 9.1. gerade dabei zu ueberlegen, ob ich heute wieder einen langen "Kanten" fahre, denn es war noch frueh am Abend (es ist bis 22 Uhr hell) und Rueckenwind, als ein Auto hielt, mich nach dem "Wohin ?" fragte und mir dann anbot auf seine Farm zu kommen. Ich akzeptierte und nach der Wegbeschreibung nahm er mich dort nach 1 ½ Stunden in Empfang. Es folgte ein opulentes Abendmahl in einer 60 km weiter entfernten Gaststaette zusammen mit zwei US-amerikanischen Freunden aus der Finanzbranche, die am uebernaechsten Tag eine Vulkanbesteigung vornehmen wollen.
Warum mich Ion - so hiess er - einlud: er ist selbst ein begeisterter Radfahrer (hatte zu Hause zwei tolle Rennmaschinen stehen), da musste er einen so "verrueckten" Radfahrer einfach einladen. Er stammt aus England und ist vor 8 Jahren bei einem Segeltoern mit seiner Frau in Chile haengengeblieben, hat eine Farm gekauft und zuechtet heute Kuehe, Pferde und Schafe. Von seinen Bienen gab er mir ein grosses Glas Honig mit.
Ich wohnte bei ihm in einem tollen Ferienhaus ganz fuer mich allein.

Die Fahrt zur Grenze hat es am Donnerstag (11.1.) in sich. Mit 1.621 Hm, wobei 900 Hm nach der chilenischen Grenzkontrolle anfallen und sich die argentinische erst 42 km weiter befindet, ist sie eine der anstrengendsten. Aber schon auf der kurzen Bergabstrecke tauche ich - das kann ich gerade noch erkennen - ein in eine phantastische Felslandschaft ein. Es wird finster und es gibt an der Grenze keine Unterkunft. Was tun ? Halb 11 am Abend bin ich endlich auf einem Zeltplatz. Hilfreiche argentinische Camper helfen mir beim Zeltaufbau, sie sorgen auch fuer eine ausreichende Beleuchtung. Ich esse nur zwei Honigbroetchen und trinke Tee von ihnen, ehe ich todmuede im Schlafsack verschwinde und um 5 Uhr wieder aufwache.
Ich muss später noch zweimal nach Chile wechseln, wegen des etwas komplizierten Grenzverlaufes, der geographischen Gegebenheiten und meinem Tourplan (Rueckflug).


Statistik :
Chile: 3.416 km (+16 km), 17.393 Hm, 201:35 Std. (254:50 Std.)
24 Tage, 3 Ruhetage
142 km/Tag, 16,9 km/Std., 714 Hm/Tag, 509 Hm/100 km

Tourverlauf :
Pisiga (Bolivien)/Colchan (Chile) - Quebe - Huara (155) - Iquique (5,1) - Antofagasta (1, Kuestenstrasse) - Chanaral - Copiapó - Valenar - La Serena (5) - La Calera (Autopista 5; fuer Radfahrer erlaubt) - Santiago de Chile - Chillán - Victoria (5, Autopista) - Curacautin (89) - Manzanar - (zurueck nach) Curacautin - Lautaro - Freire (5) - Villarrica (119) - Loncoche - Los Lagos (5) - Malihue - (zurueck nach) Los Lagos - Osorno (5) - Anticura - Grenze (215) - San Carlos de Bariloche (Argentinien) (231)

Mittwoch, März 14, 2007

Bilder (Chile)

Bilder (Chile)
Chile



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Dienstag, März 13, 2007

Argentinien

Argentinien

Beverly. Geburtstag. Schokolade.
Freitag 12.01.2007 bis Sonntag 21.01.2007

Nach gutem Fruehstueck und Zeltzusammenbau geht es dann auf den heute kurzen Abschnitt nach San Carlos de Bariloche, der Schokoladenhauptstadt Argentiniens (oder der Welt ?). Der mich in den naechsten Wochen begleitende Wind macht sich auf den letzten 20 km schon mal kraeftig von der Seite bemerkbar. Doch da es nicht mehr weit bis B. ist, habe ich nur Augen fuer die herrliche Berglandschaft Argentiniens und fotografiere (auch in den naechsten Tagen) mehr als sonst.
Am Ortseingang treffe ich Beverly Wagner, eine 60-jaehrige (!) Radfahrerin (Amerikanerin aus Seattle, die aber 9 Monate im Jahr in Bolivien lebt, wenn sie nicht gerade mit dem Rad unterwegs ist, wie jetzt). Fuer Samstag lade ich sie in das groesste Schokoladengeschaeft "del Tourista" zu einer Geburtstagsrunde ein. Sie uebernachtet in einem Camp, waehrend ich mich - wie ihr es mir alle empfohlen habt - in einem guten 3-Stern-Hotel mit Seeblick und -zugang einmiete.
Ausser der kleinen "Party", leiste ich mir an dem Tag noch Torte, Kakao und Pralinen und am naechsten Tag ebenfalls, sowie am Abend ein gutes Essen im Hotel (allerdings) mit Weisswein (Rotwein folgt beim Abschluss in Ushuaia). In Bariloche findet man ein Schokoladengeschaeft am anderen und auch einige herstellende Fabriken. Wer es sich leisten kann (ich meine vom Gewicht), sollte mal nach Bariloche fahren - ist uebrigens auch Skizentrum im Winter (in Europa Sommer).
Morgen am 15. Januar geht es weiter nach Sueden auf der gehassten, "geliebten", stets windigen und zum grossen Teil "schottrigen" Staatsstrasse 40. Die 40 zu fahren gilt (unter Motorradfahrern und erst recht unter Radfahrern) als Herausforderung. Auch das werde ich ueberstehen (hoffe ich).

Die "40" ist stärker als ich. Zur Atlantikküste.
Fortsetzung am Sonntag 21.01.2007 in Sarmiento
Ich hab die Herausforderung nicht angenommen ! Es war einfach nicht moeglich, auf dem Schotter zu fahren. Schon an einem kleinen Huegel (und groessere waeren erst noch im Verlauf der "40" gekommen), blieb ich mit den schmalen Reifen einfach im groben Sand stecken. Ein Aufsteigen war so gut wie nicht moeglich und die Gefahr eines unfreiwilligen Abstiegs ist zu gross (hab mir schon dreimal das rechte Knie dabei aufgeschlagen - immer wieder auf die selbe Stelle, aua !). Fuer diese Strecken braucht man tatsaechlich ein Mountain-Bike mit breiten Reifen. Alle, die ich kenne oder die mir begegnet sind, hatten diese Ausruestung. So entschloss ich mich gestern, nach Osten auszuweichen und an der Atlantikkueste (!) weiterzufahren. Dort gibt es in Argentinien eine asphaltierte Strasse fast bis Ushuaia, nur 100 oder 200 km Schotter (sonst waeren es ueber 1.000 km gewesen). Wie man nach Feuerland kommt, ist ja egal, Hauptsache man kommt. Natuerlich verpasse ich dabei einige schoene Landschaftsgebiete in Argentinien. Doch ich kann von Puerto Natales aus - wenn es sich zeitlich machen laesst, da ich ja jetzt ein paar Tage "raushole" - noch einmal in das Gebiet von Torres del Paine "eindringen" und auch irgendwie zum Moreno-Gletscher gelangen, um mir diese Glanzstuecke der Natur nicht entgehen zu lassen.
Zwischen San Carlos de Bariloche und Sarmiento, wo ich heute einen Ruhetag eingelegt habe, bin ich ebenfalls durch eine herrliche Landschaft gefahren, einen Tag zusammen mit Mariano, einem Argentinier, der seine erste grosse Radtour machte. Erica und Ryan, ein schweizerisch/amerikanisches Paerchen begegnete ich auf dem Weg von Ushuaia nach Alaska (1 1/2 Jahre) und in einem Ein-Wohnhaus-Dorf traf ich ueberraschend auf eine deutschsprechende Argentinierin.
Die Pampa hat auch ihre Reize, allerdings sind durch die duenne Besiedlung dieses Gebietes auch Ortschaften mit Tankstellen oder kleinen Restaurants nur in sehr grossen Entfernungen voneinander (ca. 100 km) anzutreffen und man muss sich ausreichend mit Verpflegung und Trinkwasser eindecken. Uebernachtet hab ich dabei meist im Zelt, umgeben von der Einsamkeit der Pampa. Der Wind weht hier ausschliesslich aus westlicher Richtung, so dass ich ihn - wenn ich mich jetzt nach Osten bewege - meist von hinten haben werde (ist auch mal ganz schoen) । Wie es an der Atlantikkueste ist, wird sich zeigen.

Steaks. Begegnungen. Wind.
 
Montag 22.01.2007 bis Montag 29.01.2007:
Ich haette heute ja gern wieder ein paar Bilder von Argentinien eingegeben, da ich mir diesen Tag extra fuer die Arbeit im internet-Cafe genommen hatte. Aber leider ist es hier etwas schwierig, hoffe aber, es vor Beendigung der Tour noch realisieren zu koennen.
Dafuer heute eine ausfuehrlicher Textteil.
Der Montag (22.02.) bringt am Abend gleich wieder eine erzaehlenswerte Begegnung. Der Reihe nach: Dieser Tag hat mit ueber 700 Hm zwar auch seine Steigungen, ist aber dann auf der Altiplana lange Strecken flach. Die Strasse fuehrt durch ein riesiges Erdoelfeld.
Rechts und links arbeiten die Erdoelpumpen leise und fast geisterhaft. Fuer mich hat so eine Erdoelpumpe immer etwas Mystisches, Unheimliches an sich, wie von Geisterhand bewegt, foerdert sie das millonen Jahre alte Oel aus der Tiefe und macht unser taegliches Leben damit erst zu dem, was es ist. Wie lange wird dieser Reichtum wohl noch vorhanden sein ?
Der Wind weht nicht allzu stark mal von vorn, mal von hinten, aber ertraeglich. Als Mittagessen bekomme ich an diesem Tag erstmals zwei richtig dicke argentinische Steaks (das gibt Kraft). Danach geht es leicht bergauf und -ab. Comodore Rivadavia ist eine groessere Stadt und ich muss wieder einkaufen und will dann noch - da es noch zeitig und lange hell ist - ein Stueck aus der Stadt hinausfahren, da ich einen Hinweis fuer Uebernachtungs-Cabinas gesehen hatte. In der Kaufhalle frage ich einen Mann, der sich staunend mein Rad ansieht, danach. Er kennt aber nichts. So fahr ich erst mal los. Etwa 3 km weiter steht dieser Mann mit seinem Auto an der Strasse. Er macht mir klar, dass ich halten und ihm folgen solle. 5 Blocks weiter hat er sein "Office" (er ist Fuhrunternehmer), da koenne ich auch schlafen. Ich folge ihm und hab eine Uebernachtung, kann duschen und zur Ueberraschung bereitet er uns beiden noch je ein Steak (das dritte an diesem Tag, das ich esse). Aber er und ich muessen am nächsten Morgen um 6 Uhr das Buero verlassen, weil er wegfahren muss. So zeitig war ich bisher nur einmal auf der Strecke. Bedeckt, etwas kuehl, aber angenehm. Und die etwa 150 km heute werde ich ohne weiteres schaffen. Bis Mittag ist ja alles gut. Starker Seitenwind mit kleiner Rueckwindkomponente machen das Fahren zwar nicht einfach, aber man kommt vorwaerts. Wieder mal hab ich die Rechnung diesmal ohne den Wind gemacht. Nach dem Essen in Caleta Olivia steht der Wind voll von vorn. 6-7 km/h - meine Geschwindigkeit. 75 km haette ich an diesem Tag noch zu fahren gehabt. Er treibt mich auf die andere Strassenseite (wo ich dann aus Sicherheitsgruenden fuer mich weiterfahre und entgegenkommenden Autos - es sind zum Glueck nicht viel - auf den Randstreifen ausweiche). 3 x wirft mich der Wind um, ich verletze mich leicht an Knie, Wade und Schienbein. Nach 40 km gebe ich auf. Aber wo und wie das Zelt aufbauen ? Unter einem Brueckendurchbruch (ohne Wasser nur fuer Notfaelle bei sehr starkem Regen) von 2x2 m kann ich gerade so mein Zelt errichten - windgeschuetzt. Hier hatte ich die Befuerchtung: "Wenn das der gehasste, kalte Patagonienwind ist und es so weitergeht, dann musst du tatsaechlich noch aufgeben !" Am naechsten Morgen - der Wind wie "weggeblasen". Sonnenschein. Es rollt und mit 176 km an diesem Tag hole ich den "Verlust" vom Vortag wieder auf. Von 2 deutschen Radfahrern (Harry aus dem Schwarz- und Olaf aus dem Spreewald - die ersten die ich hier im Sueden treffe - auf Argentinientour), erfahre ich, dass sie am Vortag ein starkes Unwetter hatten, so dass "mein" Wind "nur" eine Erscheinung am Rande der Gewitterfront war. Sie informieren mich auch noch, wo ich eine gute Uebernachtungsmoeglichkeit an einer Tankstelle auf dieser Strecke finde. Das Hotel ist zwar besetzt, aber eine schoene Zeltmoeglichkeit und ein gutes Restaurant (wieder Steak), machen den Aufenthalt angenehm. Ach, an diesem Tag war da noch eine Begegnung unterwegs: Louis, Antonio-Carlos und Vitor, drei Brasilianer (einer davon promovierter Kernphysiker) - auch auf (Auto)Tour - halten an und wollen unbedingt ein Foto von mir machen. Als "Honorar" bekomme ich 6 grosse Nektarinen und Orangensaftpulver.
Als ich am naechsten Morgen gefruehstueckt und Zelt zusammengebaut habe, will ich noch einen "Kaffee con Leche" trinken, da steht ein Reiserad vor dem Tankstellenrestaurant. Drin sitzt Ted, ein baertiger Radfahrer aus Holland. Natuerlich sind wir gleich im Gespraech. Er ist auf Argentinien-Tour (7.000 km) und faehrt nach Norden, ist auch schon mal rund um Australien (21.000 km) und Alaska-Panama gefahren, war mit dem Rad in China und wer weiss wo noch, was er mir nicht erzaehlt hat. Er beabsichtigt von Wladiwostok aus, Russland "aufzurollen". Und nun staunt: er ist 4 Wochen aelter als ich !
Es lauft an diesm Tag wieder gut und die Hinweise von Ted zu Strecke und Windverhaeltnissen sind mir nuetzlich, wobei er meint - und diese Erfahrung hab ich inzwischen auch gemacht -, dass man hier das Wetter und die Windrichtung nie voraussagen kann. Gestern hatte er auf meiner heute bevorstehenden Strecke Rueckenwind, heute hab ich Seitenwind mit starker Rueckenwindkomponente und ich fahr in entgegengesetzter Richtung. Ich komme bis Pt. San Julian einer kleinen Hafenstadt, mit touristischen Attraktionen. Am naechsten Morgen mache ich mit einem Schlauchboot hier noch eine Exkursion zu einer Pinguininsel (auch das hatte mir Ted empfohlen), fotografiere einige der 37.000 hier lebenden Pinguine, sehe Comorane und Delfine. So komme ich erst Mittag weg. Die 130 km sollten gerade noch zu schaffen sein (es ist bis 22 Uhr hell). Wieder ist es der Wind, der mir einen Strich durch die Rechnung macht. Nach 5 1/4 Std. bin ich 53 km gefahren. Ich gebe wieder mal auf und muss mir einen einigermassen windgeschuetzten Zeltplatz suchen. Hab ja schon Erfahrung mit Bruecken. Diesmal ist der Querschnitt ueberall aber nur 1x1 m. Doch der Hangeinschnitt (oder wie nennt man das brueckbautechnisch ?) bietet einen Windschatten, der es auch dort moeglich macht zu zelten. Nach dem Abendbrot schlafe ich auch hier - wie zwei Tage zuvor - ausgezeichnet. Nun wird die naechste Etappe nur eine Kurzetappe bis zum urspruneglichen Vortagesziel (Piedrabuena bei Puerto Santa Cruz - das wievielte Santa Cruz wohl schon auf meiner Tour ?). Es ist ein schmuckes kleines Staedtchen mit einem ausgezeichneten fast familiaeren Zeltplatz.
Die Strecke am naechsten Tag ist etwas problematisch। Der Wind wird mich zu 2 x 125 km (oder weniger) zwingen und ich muss unterwegs irgendwo zelten, denke ich. Doch es gibt auch Ueberraschungen. Nachdem ich die ersten 100 km in genau 6 Stunden gefahren war (eine fuer die hiesigen Verhaeltnisse noch akzeptable Geschwindigkeit), hab ich den Wind von hinten - 100 km in 3:55 Std. So beschliesse ich noch 50 km dranzuhaengen und bis Rio Gallegos zu fahren - der letzten groesseren Stadt vor dem kurzen Wiederuebertritt nach Chile - wohl wissend, dass die letzten 27 km hart werden, weil die Strasse da im rechten Winkel abbiegt und der Wind von vorn kommt. So war es auch und ich brauchte noch ueber 2 Stunden fuer diese Strecke. Um 23 Uhr hatte ich ein (gutes) Hotel und beschlossen, heute Pause zu machen. 29 km vor dem Tagesziel sah ich auch erstmals einen Wegweiser "Ushuaia 749 km"). Von hier sind es nun nur noch 720 km, davon allerdings 210 km "Schotter". Trotzdem, es ist bald geschafft.

Die vier Feinde des Radfahrers
 
Wenn man taeglich 8 und mehr Stunden auf dem Rad sitzt, macht man sich seine Gedanken. Man lernt Freunde und Feinde kennen. Heute moechte ich mal die 4 Feinde des Radfahrers beschreiben.
Es sind Schotter, Wind, Berge und Regen (Reihenfolge ist Rangfolge).
1. Schotter
Das ist der Schlimmste. Er liegt auf der Strasse oder vielmehr, er ist die Strasse. Er grinst dich an, tut ganz unschuldig. "Komm fahr nur auf mir, ist kein Problem". Und du laesst dich darauf ein. Bis er nicht nur als einzelner kleiner Stein auftritt oder als durchaus fahrbare Laengsrille. Nein jetzt sind es Querrillen, die dein Rad und dich huepfen lassen und die Steine sind massenweise grosse und kleine Steine, Kiesel, die dich mit dem Rad versinken lassen. Jetzt packt er dich. Sein Grinsen geht in ein hoehnischen Knirschen ueber. Das Vorder- und/oder Hinterrad rutscht weg und du fliegst auf die Fresse, und immer auf die selbe Stelle (dreimal auf das rechte Knie).
Er ist unberechenbar, du weisst nicht, ob er dich erst narrt und unschuldig, glatt und fest ist/zu sein scheint und nach 100 km in seiner gemeinen Form auftritt. Ich hasse ihn. Er ist immer schlecht.
Es sei nicht verschwiegen, dass es auch "Schotterwege" gibt, die glatten Waldwegen gleichen, auf denen man fast so schnell, wie auf Asphalt fahren kann, aber diese sind hier eher selten.
Strassen mit (vielen) Schlagloechern zaehlen auch hierzu, sie offenbaren aber ihre Schlechtigkeit allein schon durch ihr Aussehen.
2. Wind
Oh, du Schelm. Er spielt mit dir. Immer. Mal tritt er in seiner gemeinen Form als (starker) Gegenwind auf und macht das Vorwaertskommen zur Qual oder fast unmoeglich. Mal kommt er von der Seite und schiebt dich auf die andere Strassenseite. Manchmal schiebt er dich dabei auch ein bisschen vorwaerts.
Er kann aber auch lieb sein. Er kommt als Rueckenwind und macht das Radfahren zum Vergnuegen, aber nicht automatisch nach einem Gegenwind, sondern so wie er will.
Wie gesagt, er ist wie ein Kind, er spielt mit dir, ist dabei aber unberechenbar.
3. Berge
Sie sind solide und hart, ehrlich und fair. "Hier stehe ich, komm, bezwinge mich, kletter auf mich hinauf". Sie sind voll berechenbar. Und wenn du sie bezwungen hast, belohnen sie dich immer mit einer (rasanten) Abfahrt, wenn da nicht gerade der Wind als Gegenwind mit dir spielt und dich bei der an sich steilen Abfahrt nicht schnell werden laesst. Und die Freude schwindet auch, wenn die an und fuer sich gut gemeinte Abfahrt dann eine Schotterstrecke ist und du deine rasante Fahrt abbremsen musst.
4. Regen
Der Regen ist eigentlich kein richtiger Feind। Du kannst dich vor ihm schuetzen. Er verlangsamt deine Geschwindigkeit nicht automatisch, nur wenn er zusammen mit den anderen Feinden, oder als Eisregen auftritt, dann ist er unangenehm. Er kann dein Freund sein. Wenn du in Tropenhitze geschwitzt hast und ein leichter Regen faellt, dann ist es geradezu ein Genuss, in/mit ihm zu fahren. Wenn du dich bei starkem (warmen) Regen an ihn gewoehnt hast, wird er dir zum Freund und beschleunigt deine Tritte (weil du schnell ans Ziel willst).

Der Schluss.
 
Dienstag 30.01.2007 bis Samstag 03.2.2007
Am Dienstag 30.01. hab ich noch mal einen tollen Tag. Es werden 173 km, das liegt aber an den Windverhaeltnissen. Er blaest mich regelrecht vorwaerts. Nach der Grenze (Argentinien wieder zu Chile) ist eine neue Betonstrasse und das Radfahren wird zum Vergnuegen. Doch nicht uebermuetig werden ! Die Strasse macht einen grossen Bogen und der starke Wind kommt von der Seite und schliesslich von vorn. Da merkt man erst einmal, was man bisher gehabt hat. Es ist nicht zu fahren. Die Karte verraet mir, dass die Strasse nach ca. 10 km rechtwinklig abbiegt und ich dann Rueckenwind haette. Also das Rad erst einmal schieben. 8 km stemme ich den Koerper gegen das Rad. Wenn ein Lastauto (und die sind riesig gross) kommt, bleibe ich stehen, ducke mich und halte es fest, damit es und ich durch die Luftwirbel nicht umgeworfen werden. Dann kommt die Abbiegung ! Ohne einen Tritt fahre ich die ersten 5 km mit einer Geschwindigkeit von 45 km/h. Die restlichen 12 km bis zur Faehre (ueber die engste Stelle der Magallan-Strasse) tun es auch nicht unter 30 km/h. Dort treffe ich ein Paerchen aus Erfurt. Sie haben "alle Zeit der Welt, nur nicht alles Geld" und sind zwei Jahre von Alaska nach Feuerland gefahren, jetzt warten sie den Sommer ab, ehe sie nach Deutschland zurueckkehren. (Ende März - kommt ein Freund zu mir und erzählt mir, dass er bei einer Radtour Anfang März ein Thüringer Pärchen getroffen hatte, die mit dem Rad von Frankfurt nach Erfurt unterwegs waren. Sie hatten mich getroffen und waren doch etwas eher von Südamerika zurückgekommen. - So klein ist die Welt). Auf der Faehre spricht mich ein argentinischer Autofahrer an; wir verabreden uns auf ein "Cerveza" (Bier) in Ushuaia. Nach der Faehre soll eigentlich Schotterstrasse sein, aber zu meiner Freude hat man fast 40 km (bis zu meinem Tagesziel) asphaltiert. Die letzten 5 km geht es an diesem Tag noch einmal gegen den (nicht mehr so starken) Wind. In einem kleinen Ort (Cerro Sombrero - Berg wie ein Sombrero, Name gefaellt mir) finde ich eine schoene "Hosteria" und bekomme am Abend 1/2 11 noch ein excellentes Abendbrot (natuerlich Steak) und ein grosses (1 l) Bier.
Der naechste Tag zeigt mir, dass ich mich nicht zu zeitig freuen soll.116 km Schotter sind angesagt und der ist wirklich schlimm. Es ist hundekalt und regnet ein bisschen, das hat allerdings den Vorteil, dass der Staub gebunden wird und man nach Passieren eines LKW´s nicht 5 min lang Staub einatmen muss. Am Abend tun mir die Rueckenwirbel weh und unter Schmerzen bewaeltige ich die letzten 10 km [Schotterstrassen in dieser Laenge sind wirklich nur mit einem (gefederten) Mountain-Bike schadlos zu ueberstehen]. 300 m vor der chilenischen Grenzkontrollstelle finde ich ein Hotel (und muss nicht noch das Zelt aufbauen) und esse dort gut Abendbrot - natuerlich butterweiches Steak.
Der naechste Morgen bringt wieder einen Wind bisher unbekannter Staerke - aber ich hab ihn als Rueckenwind. Auf den 16 km Schotter bis zur wieder argentinischen Grenzkontrolle, muss ich das Rad mitunter bremsen, weil ich auf diesem Strassenbelag nicht zu schnell fahren kann. Ich treffe ein Paerchen aus Oesterreich, die den Wind von vorn haben, Stefan (38) und Anita (23) sind mit einem Tandem (mit Trailer - einachsiger Anhaenger) auf Weltreise (!), seit 2004 unterwegs und wollen 2008 aufhoeren. Nach der Grenzstation rollt es mit dem Rueckenwind, wie noch nie erlebt [teilweise 50 (in Worten: fuenfzig) km/h, ohne zu treten]. Da wird es schon langsam schwierig, das Rad richtig auszusteuern. Einmal habe ich Gegenwind, weil die Strasse beim Ueberqueren eines Flusses einen Bogen machen muss. Es heisst absteigen und laufen, 600 m in 13 min. Ich glaube, das sagt alles. Als ich nach 3 1/2 Std. (fuer 99 km) Mittag in Rio Grande bin, ist es aus, denn es waere erforderlich erst mal ca. 10 km gegen den Wind zu fahren. Einfach nicht mach-/fahrbar !!!. Selbst beim normalen Laufen auf der Strasse muss man sich gegen den Wind stemmen und kommt kaum vorwaerts. Ich uebernachte in einem Szene-Hostal und werde dort nett aufgenommen. Der Wind hat am naechsten Morgen etwas nachgelassen, weht aber immer noch kraeftig. Nach der ersten Stunde (9 km) ist das Schwerste an diesem vorletzten Tag meiner Tour ueberstanden, doch der Wind kommt weiterhin nur von der Seite und von vorn, so dass ich fuer 130 km fast 9 Stunden benoetige. Ich uebernachte im Zelt auf einer Estancia, fahr am naechsten Tag die restlichen reichlich 100 km. Dabei bekomme ich noch mal gezeigt, was es bedeutet, auf Feuerland Rad zu fahren: 8º C, Regen, viele Steigungen, 2 Serpentinenstrecken aber - zum Glueck - kein Wind.

Statistik:
2.597 km (+ 26 km), 8.575 Hm, 151:16 Std. (193:05 Std.)18 ½ Fahrtage, 4 ½ Ruhetage139 km/Tag, 17,2 km/Std., 462 Hm/Tag, 330 Hm/100 km
Tourverlauf:
San Carlos de Bariloche - Tecka - Jose San Martin (258, 40) - Sarmiento (20) - Comodoro Rivadavia (26) - Fitz Roy (Ort !) (3) - weiter auf der "3" bis Rio Gallegos - bis zur Grenze (Monte Aymond) (3) - Grenze dann bis Punta Delgada (255) Abbiegen zur Faehre ueber die engste Stelle der Magallanstrasse (258) - Cerro Sombrero - Grenze bei San Sebastian (258) - Rio Grande (3) - Tolhuin - USHUAIA (3) SCHLUSS.

Geschafft GESCHAFFT !!!

Nach 248 Tagen (mit Ruhetagen) wurde am 3. Februar 2007 um 16.00 Uhr - etwas frueher (aber ich glaube ganz schoen kraeftig) als geplant - Al Feu geboren
25.828 km lang
116,275 km hoch (116.275 Hoehenmeter)
ca. 8 kg schwer (Gewichtsverlust des Vaters)
Vater wohlauf

und am Abend ihre Geburt gebuehrend mit einem guten Essen (natuerlich butterweiches Steak mit guten Kartoffeln und sehr schmackhafter Sosse; Schokolade mit Puddingsosse), Rotwein und Sekt gefeiert. Die oertliche Presse hat um ein Interview gebeten.

Mit dieser Fahrt bin ich
- der erste, der die Tour Alaska-Feuerlander 2007 beendet und erst 2006 begonnen hat
- einer der aeltesten (u.U. der aelteste), der diese Tour in so kurzer Zeit gefahren ist
- einer der wenigen, der unter 250 Tage dazu benoetigt hat.
Und ich habe bei Vorbereitung und Durchfuehrung keine Unterstuetzung Dritter in Anspruch genommen.

ABER danken muss ich dafuer in erster Linie meiner Frau, jedoch - und das war fuer mich wirklich wichtig und ich schaetze es ungemein - auch allen, die mir geschrieben oder mich haben gruessen lassen. Wenn ich manchmal verzweifelt war, weil es nicht so lief/rollte, wie ich es mir vorgestellt und geplant hatte (besonders in Alaska, aber auch in Peru, Bolivien und sogar in Argentinien), dann half es mir zu wissen und wahrzunehmen, dass ihr mich moralisch unterstuetzt, mit mir leidet und euch ueber mein Vorwaertskommen freut. Dann habe ich gedacht: "Du kannst jetzt nicht aufhoeren, du bist es (ihnen) einfach schuldig, dass du dich quaelst und durchhaelst." Diese emotionale Seite ist nicht ganz unwichtig, dafuer sage ich DANKE ! Ich hatte in der ersten Version hier geschrieben, dass ich manchmal "die Schnauze voll hatte", aber beim Nachdenken darueber, merkte ich, dass es eigentlich nicht so war. Nur manchmal war ich etwas "down" und hatte "einen Moralischen". Doch mit der Zeit verblassen diese "negativen" Erinnerungen und man erinnert sich nur noch der schoenen Seiten dieser phantastischen "Wahnsinnstour ".

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